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Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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sation und in einer Reihe von Fällen das Recht, den. Anschluß von abgesprengten Teilen der Nation an den neuen Nationalstaat durchzuführen, sowie die Sicherung abgesprengt bleibender Teile durch den Minoritätenschutz in anderen Fällen, das ist das Ergebnis der Entwicklung, welche mit dem Ende des Weltkrieges abschließt. Ein, wie wir heute bereits klar erkennen können, unzulängliches Ergebnis! Dieses entspringt der politisch abstrakten Denkweise des liberalen Zeitalters, welches im Nationalstaat das Symbol der nationalen Befreiung sah und ihn und seine demokratischen Formen an die Stelle des alten anationalen Obrigkeitsstaates zu setzen bestrebt war, weil der alte Staat die Nationen politisch unterdrückte und sogar, soweit sie seinen Rahmen zu sprengen drohten, zu vernichten bestrebt war. Aber der Staat ist eben kein rein politisches Gebilde, sondern auch ein Wirtschaftskörper, und die politische Befreiung, welche die Nation aus ibrem bisherigen Organismus löst, kann auf einem anderen Wege zu einer neuen, nicht weniger drückenden Versklavung führen. Daher greift die Entwicklung schon über das eben erreichte Ziel hinaus, und das Völkerrecht, welches das Recht der Nation zur Wahl der eigenen Lebensform durchzusetzen bestrebt war, muß nun die Lösung der Rechtsprobleme des Lebens r a u m e s in Angriff nehmen. Das bedeutet in der praktischen Konsequenz: 1. Sicherung des Rechtes der Nation nicht nur auf den von eigenen Volksgenossen bewohnten und eine räumliche Einheit bildenden Boden, sondern auf dem zur Aufrechterhaltung der physischen Existenz der Nation notwendigen Raum aus den wenig besiedelten Teilen der Erde/) 2. Sicherung des Lebensraumes für die „Völker ohne Land". Wir haben uns hier mit dem zweiten Falle zu beschäftigen, da er der Fall des jüdischen Volkes ist. Das jüdische Volk ist der einzige Ueberlebende der Katastrophen, welche die antike Welt vernichteten. Es hat sich nicht nur physisch dem Untergange entzogen, sondern von seinen Urtagen bis heute weist seine geistige Entwicklung deutliche Zusammenhänge auf. Jeruscholajim ist in einem tieferen Sinne Ursprungsort und Symbol dieses jüdischen Geistes als es das heidnische Rom für Italien oder das Athen der Perikies und Plato für die Griechen unserer Zeit ist. Diese Bedeutung für die Juden hat es nicht nur von ihnen aus gesehen, sondern auch in den Augen der Völker. Nie vermag darum das jüdische Volk Erez Israel zu vergessen, solange es sich nicht entschieden hat, unterzugehen. Wie man die jüdische Geschichte auch deutet, ja sogar, wenn man sie negiert und das jüdische Phänomen ahistorisch zu erfassen versucht, — das jüdische Volk ist ohne die blutsmäßige Bindung an Erez Israel nicht vorstellbar. In keinem seiner Wirtsländer hätte es die ihm eigene Gestalt annehmen, in keinem jenen Zusammenhang mit Boden und Himmel, mit der Natur, finden können, aus dem allein die Völker und ihre Kulturen entstehen. Man kann die Chinesen *) Letzteres bedeutet nicht Anerkennung des Anspruches auf politische Angliederung des so besiedelten Raumes. 16

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