Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537820-3537828--8174-3546229
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zionistische Gedanken Von Dr. Fritz Löwenstein. Wie die Gründung, so fällt auch das 25jährige Jubiläum der Maccabaea in eine Zeit tiefsten Niederganges der zionistischen Bewegung. Als Ende 1906 die Maccabaea gegründet wurde, stand die zionistische Bewegung zwei Jahre nach Herzls Tod und ein Jahr nach der Ablehnung des Ugandaplans. Heute steht die zionistische Organisation am Schlüsse eines zweijährigen großen politischen Kampfes, den sie verloren hat, mit einer toten Organisation, mit ideologischer Unklarheit und Unentschiedenheit, in schärfster finanzieller und wirtschaftlicher Deroute. Wenn sich 1906 junge Menschen fanden, die aller Realität zum Trotz die Fahne des Palästinagedankens wieder hoch trugen und es wagten, eine Generation im Sinne des wahren und ganzen Zionismus zu erziehen, so wird dies auch unsere Aufgabe sein. AbeT nur schonungslose Klarheit über den Punkt, an dem wir stehen, wird uns die Mittel kennen lehren, die auch von diesem Tiefpunkt wieder aufwärts führen können. Verzweifelten die Gründer der Maccabaea 1906 nicht, so dürfen auch wir es nicht. Aber freilich, es ist nur dann ein Verdienst zu glauben, wenn man die Situation in vollem Umfange erkennt und dennoch den Glauben nicht verliert. Heute ist es zweifelhaft genug, wieviele Zionisten die Wahrheit zu sehen wagen. Die zionistische Bewegung glaubte nach den Unruhen von 1929 den Augenblick gekommen, um das gesamte politische Problem unserer Bewegung wieder aufzurollen. Man empfand das Verhältnis mit der Mandatarmacht als unbefriedigend, mit den Arabern als unhaltbar und versuchte, in einer großen politischen Offensive unsere Position zu verbessern. Dieser Kampf ist heute beendet, und es soll klar und deutlich gesagt werden, daß er in vollem Umfange gegen uns entschieden worden ist. Wir haben nichts zu retten vermocht als die Baifour-Erklärung und das Mandat, und dies sind im gegenwärtigen Augenblick nichts als tote Worte. Wir haben eine offizielle Regierungspolitik, die den „Schutz" der Araber gegen uns auf ihre Fahne geschrieben hat, und stehen an der Schwelle einer Gesetzgebung, die für uns jede Weiterarbeit aufs äußerste erschweren wird. Selbstverständlich werden wir weiter kämpfen und werden jede Position zu verteidigen suchen, die wir noch nicht aufgegeben haben. Aber es wäre Illusion, wenn man noch an einen ernsthaften Umschwung glauben würde. Wir werden, auf Jahre hinaus unter politischen Verhältnissen arbeiten müssen, die schlechter sind, als wir sie in der zionistischen Geschichte jemals gehabt haben. Wir werden ein antizionistisches Regime und eine antizionistische arabische Bewegung um uns haben, und nicht einmal das in türkischer Zeit vorhandene Linderungsmittel des Bakschisch wird uns zur Seite stehen. Das alles in einem Zeitpunkt, da die Welt in einer nie gesehenen wirtschaftlichen Katastrophe sich befindet, die Juden von ihr besonders getroffen werden und die jüdische Palästinaliebe überdies im Zusammenhang mit den politischen Ereignissen erschüttert ist. Auch hier gilt dasselbe, was wir oben gesagt haben: wir werden keine Position ohne Kampf räumen dürfen. Kein Zweifel, daß die Arbeit unserer Fonds fortgesetzt werden muß, kein Zweifel, daß wir die Möglichkeiten zur Interessierung von privaten Mitteln auszunutzen haben werden. Aber auch hier wäre es Illusion, an große Möglichkeiten zu glauben. Kein Zweifel, die zionistische Bewegung tritt ebenso aus politischen 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.