Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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rung gestellt war. Dieser Aufruf war schon bedeutend wirklichkeitsnaher und machte damals großen Eindruck, und wenn er auch unter den Kriegsverhältnissen noch keine allgemeine Stimmung schaffen konnte, so bedeutete er doch eine Tat, Erst nach dem Krieg, nicht zuletzt unter dem Einfluß der Blau-Weißen» wurde die „personliche Verwirklichung" zu einer allgemeinen Stimmung und erfaßte auch solche, für die eine Berufsumschichtung nicht oder nur innerhalb akademischer Berufe in Betracht kam (damals wurden Juristen und Nationalökonomen Lehrer, um als solche hinübergehen zu können), und so stark wurde diese Atmosphäre, daß energisch, darum gekämpft wrerden mußte, auch diejenigen als vollwertige Zionisten anzuerkennen, denen der eigene Weg nach Palästina nicht offenstand: Diese „Aufbruchstimmung" kennzeichnete damals die Maccabaea im Kartell. Der Zionismus der Jugendbewegung, der mit Gemeinschaftsideen innig verknüpft war, hatte naturgemäß eine stark sozialistische Färbung. Es kam von selbst, daß auch die Maccabaea diesen Weg ging, sowohl im Hinblick auf Palästina und seine Arbeiterschaft, als auch unter den Eindrücken des eben beendeten Krieges. Eine Reihe älterer und jüngerer Maccabaeer trat dem Hapoel Hazair bei, der den undogmatischen gefühlsmäßigen Sozialismus verkörperte und das Ideal der Arbeit aufgestellt hatte, jene ethische Forderung, deren praktische Konsequenz die Berufsumschichtung war. Unterstützt wurde diese Entwicklung noch durch mehrere Bundesbrüder, die dem Kreis des damals in Blüte stehenden Jüdischen Volksheims entstammten. Das eigentliche Erziehungsziel des K.J.V. wurde von uns unverändert übernommen. Daß wir die Möglichkeit sahen, im persönlichen Leben mit der Konkretisierung des Zionismus weiterzukommen als früher, konnte nichts daran ändern, daß die erzieherische Grundlage die gleiche bleiben mußte, nämlich die gute ideologische Durchbildung des Einzelnen mit dem Ziel, daß er jederzeit und unabhängig von dem Vorhandensein einer Gemeinschaft sich als aktiver, verantwortungsbewußter Zionist bewähren und den Kontakt mit der zionistischen Idee und Realität wahren kann. Die alte Formulierung des Erziehungszieles, „der zionistische Mann", hatte für uns einen guten Klang und Sinn. Entscheidend blieb das Primat der strengen ideologischen Schulung auf der Grundlage positiver Kenntnisse, und alle Erfüllung und praktische Arbeit konnte nur als Ausfluß der Erziehung in der Idee angesehen werden, nicht aber diese entbehrlich machen. Das Leben der Generation von 1920 wirkt in der weiteren Entwicklung der Maccabaea fort und ist in der allgemeinen zionistischen Grundhaltung spürbar, die auch wohl jetzt noch in der Maccabaea eine gewisse eigene Note hat. Dagegen ist der persönliche Zusammenhang der jetzigen Generation mit der damaligen fast völlig verlorengegangen. Das ist historisch erklärlich, denn von den Auseinandersetzungen um Inhalt und Form zionistischen Lebens waren wir so erfüllt, daß wir nur wenig für Nachwuchs von außen sorgten. Unser Kreis aber zerstreute sich später rasch, trotz des engen persönlichen Zusammenhanges während des Zusammenlebens. Ein Teil gerade der aktiveren unter uns ging nach Palästina und kam außer Berührung mit dem weiteren Leben der Verbindung. Zudem lag im Wesen dieser Generation eine gewisse Unrast, denn die Wucht der Zeit und ihrer geistigen Auseinandersetzungen 8