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Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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betrachtet wohl irrigen Meinung — gerade als jüdische Studenten hier mitmachen zu müssen glaubten, pilgerten wir geduldig Tag für Tag zu dem Fechtlehrer Kricner in der Chausseestraße und ertrugen die unerforschlich lächerlichen Zeremonien des Mensuraktes genau so wie die peinliche Atmosphäre, die im Mensurlokal auf uns einwirkte. Empfanden die meisten von uns die Satisfaktion als von außen aufgezwungen, so war die Kneipe ein freiwillig übernommenes Mittel zur Pflege des korporativen Zusammenhanges. „Prinzipielle" Gegner der Kneipe hat es damals bei uns noch nicht gegeben. Auch wer den „Komment" ironisierte und die einzelnen Prozeduren nicht ernst nehmen konnte, kam aufrichtig gern zu. diesen feucht-fröhlichen Sitzungen. Und niemand war so doktrinär, das Nachahmen fremder Sitten als strafwürdige „Assimilation" zu betrachten. Mit der gleichen gewollten Kritiklosigkeit, die wir den diversen Kneipzeremonien gegenüber an den Tag legten, betrachteten wir den (meist unmöglichen) Text unserer jüdischen Lieder, die den offiziellen Teil der Kneipe umrahmten. Ob wir der „Zeder" gedachten, „die schlank die Wolke küßt", oder „Judenleid, Judenschmerz und weichliches Zerfließen" fortwünschten — entscheidend war uns nicht das Wort, sondern das echte zionistische Gefühl, dem wir durch den Gesang Ausdruck zu geben suchten. Die Maccabaea war damals im Kartell nicht sonderlich beliebt; man warf ihr Ueberheblichkeit vor und beargwöhnte ihre umstürzlerischen Tendenzen. Aber diese Kampfsituation verstärkte unsere Geschlossenheit und den Glauben an unsere Aufgabe: das Kartell zu einem straff organisierten und disziplinierten Bund zu entwickeln und eine Avantgarde des deutschen Zionismus aus ihm zu machen. Die korporative Form erschien als das adäquate Mittel zu diesem Ziel. Hyperindividualistische Füxe lernten sich einordnen und begreifen, daß echte Sozialität ohne Verzichte des Einzelnen.nicht erreichbar sei. Auch wenn man keine Lust hatte, kam man (und sogar pünktlich) zu den Veranstaltungen, übernahm man jede Aufgabe, die einem aufgetragen wurde. Die Verbindung wurde zu einer Kollektivindividualität, die man liebte und deren Symbole (Konvent und Erstchargierten) tiefen Respekt genossen. Bundesbrüderlichkeit galt uns als hohes Gut. Doch diese Vorstellung war unbelastet von Kitsch und unreinem Pathos. Eine Eidbrüderschaft wollten wir sein, für immer gebunden an das zionistische Werk. Und nur Menschen, die hier sich bewährten, fühlten wir uns als Bundesbrüder verknüpft und verpflichtet. Wenn wir zurückblicken, werden wir den Ernst, mit dem wir agierten, und die Wichtigkeit, die wir uns beimaßen, etwas komisch finden. Doch eine Jugend, die vorwärts will, braucht solch naives Selbstbewußtsein. Und wenn wir der jüngsten Generation der Maccabaea, die in einer unvergleichlich anderen und zweifellos komplizierteren äußeren und psychologischen Situation heranwächst, etwas wünschen können, so ist es dies: sie möge ihre heutige zionistische Aufgabe so deutlich erkennen, wie wir damals die unserige, und mit der gleichen Entschlossenheit darüber wachen, daß die Idee unverletzt und der Tatwille ungebrochen bleibt. So mancher von denen, die damals „für Judas Ehre allezeit in Liebe und in Treue" einzustehen schwuren, hat das Ideal seiner Jugend vergessen und ist den „Weg der Alten Herren" gegangen, den gerade die forciert korporative 6

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