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Der jüdische Student · 1931-12-01 · (Dezember 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
(Dezember 1931)
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Welten lassen ihn die eigene Existenz und die des ganzen jüdischen Volkes als klein und armselig empfinden. Der-reine Quantitätsimaßstab hat eine neue Bedeutung bekommen. ISO Millionen Russen, 300 Millionen Inder, ungezählte Ostasiaten kommen ihm so ungeheuerlich vor; schum die Zahl wirkt so erdrückend, daß er meint, die Probleme dieser Massen müßten jetzt auch seine Probleme sein, damit er sich als Zeitgenosse vor sic!fc selbst behaupten könne. Neue Assimilation, neue Assimilationsversuche. Wieder dasselbe entsetzliche Minderwertigkeitsgefühl, das der Jude von dem Tagen der französischen Revolution an gegenüber' einem strahlenden Europa eimpfand, das er jetzt gegenüber den Bedürfnissen und Ansprüchen gewaltiger zum Selbstbewußtsein erwachender Massen empfindet. Man kann nur in einen der großen Ströme untertauchen, sich von den Jahrtausenden jüdischer Geschichte trennen und eine manchen Zeitgenossen willkommene Auferstehung an anderen Ufern finden, oder man muß sich überall gegen den Strom stellen. Eine Auseinandersetzung mit den Gedanken der zeitgenössischen Beilegungen kommt nicht in Frage. Handelt es sich doch überall wesentlich um Plakate, die den großen Umzügen der Massen vorangetragen werden. — Der Begriff Assimilation hat heute einen viel zerstörenderen Sinn als zuvor! Die Alternative ganz oder garnicht muß jetzt beantwortet werden; die komplizierten Ausreden, die Kleinodien raffinierter assimilatorischer Gedankenarbeit, mit denen man sich Generationen lang schmücken konnte, haben jeden Glanz verloren. Der junge Jude wird daher heute, wenn er nicht bewußt die volle Trennung von den Jahrtausenden seiner Vergangenheit vollzieht, ohne einen durchfühlten, in Schmerzen erworbenen Zionismus nicht auskommen können, er wird heute aufs neue im eigentlichsten und ursprünglichsten Sinne Zionist werden müssen, um seih Leben in dieser Zeit ertragen zu können. Seine PosÄm ähnelt der, die die Juden in fast allen Zeiten ihrer Geschichte bis zum Jahre 1789 in der Welt gehabt haben. Vor einigen Jahren gab es eine Art von zionistischer Erfüllungsstitnmung, die Vorstellung einer vollen Verwirklichung der Idee in kurzer Zeit. Was brauchte man sich, so schien es, in einem solchen Stadium noch um Idee und Ideologie zu kümmern. Palästina wartet auf uns, und gibt es heute auch Rückschläge, so werden Täusende, Zehntausende, Jahr für Jahr an Zahl wachsend, ihren Weg in das Land finden. Wäre es so gewesen,, so hätte Erez Israel in der Tat das Betriebskapital einer großen, idealistischen^ kämpfenden, geistigen Bewegung getrost in kurzer Zeit verbrauchen können Gewiß hat Palästina Platz für sehr viele Juden, aber der Weg in das Land ist schmal, und es ist unwahrscheinlich, daß die Alijah in den nächsten Jahres* so groß sein wird, daß die zionistische Bewegung des Galuth sehr bald ihre estscheidende Aufgabe erfüllt hat. Aufs neue müssen wir uns in der Welt orientieren und in einer ungünstigen Periode der Weltgeschichte uns als Juden behaupten. Es kommt nicht mehr darauf an, in Erfahrung zu bringen, was die anderen von uns denken, um danach unseren Standpunkt und unsere Verteidigung zu bestimmen — mit unheimlicher Klarheit wissen wir, wie die Welt zu uns steht — es kommt vor allem darauf an, jetzt festzustellen, was wir selbst von uns denken, wie wir zu uns, zu unserer Vergangenheit und zu unserer Zukunft stehen. Heute muß vom Zionismus aufs neue das W©rt an die jüdische Welt ergehen. Der junge Zionist steht einer gewaltigen Aufgabe gegenüber, wenn er 3

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