Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3537599-3537820-3537827--8137-3546191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Hauptzweck der Propaganda besteht darin, das Positive des eigenen Standpunktes möglichst klar herauszuarbeiten. Jede Werbung bedarf aber im « Gegensatz zu dieser friedlichen Propaganda der Agitation, der kämpferischen Werbung. Die Propaganda im eigentlichen Sinne sucht Anerkennung nach der positiven Seite, der Agitator spekuliert auf die allgemeine geistige Erscheinung, daß man bei verneinenden Urteilen leichter Zustimmung findet, „er berauscht die Umworbenen durch verlockende Luftgebilde, rüttelt die stärksten Instinkte wach, spricht mehr vom falschen Weg als von dem, den er für den richtigen hält." „So unverrückbar die geistigen Ideen und die Schlußziele sein mögen, so genial und psychologisch richtig muß das Werbeprogramm auf die Seele derjenigen eingestellt sein, ohne deren Mithilfe die schönste Idee nur Idee bleiben würde." Diese Gesetze der Werbung haben wir in Deutschland schwer vernachlässigt. Die Beschränkung des Zionismus auf palästinensische Kolonisationsarbeit und auch die Geldaufbringung hierfür treibt eine große Zahl von Juden, deren Interesse im Galuth liegt, in den C.V. Auch wir haben ein durchaus positives Programm; auch wir haben in diesem Programm einen Kampf gegen den Antisemitismus. Auch wir K.J.V.er haben die Führung des Kampfes in den Hochschulen in einem würdigeren Sinne zu übernehmen, als sie denen zu überlassen, denen Judentum als Makel erscheint. Es gibt viele Interessen jüdischer Studenten; ich denke nur an eine j ü - dische Mensa; ich denke an die Verteilung von Stipendien; ich denke an die Gründung einer jüdischen Studentenschalt, die alle diese Aufgaben übernimmt; ich denke an eine Verbindung solcher jüdischen Studentenschaften im Reichsverband; ich denke an die jüdische Wirtschaftssituation und all' die vielen Aufgaben, um den großen Schwierigkeiten gerecht zu werden: Das sind lohnende Aufgaben; Autgaben, die viel Kleinarbeit erfordern, aber doch grüßen Zielen nachstreben und durchaus in enger Verbindung mit dem Zionismus stehen. Nun zur Technik der Werbung: Auch hier können wir viel lernen! In den Gebrauchsanweisungen für Massenwerber, die von den Parteien herausgegeben werden, findet man: Schafft Vorurteile! Gebraucht Schlagworte! Findet den Mut zum Banalen! Wirken durch die Autorität der Zahl! Seid aktuell! Redet den Leuten nach dem Mund! Hitler gibt in seinem Buch unzählige Anweisungen, die man unter dem Titel: „Der gute Demagoge" zusammenfassen könnte: „Die Propaganda hat gerichtet zu sein auf das Gefühl; nur sehr bedingt auf den Verstand; sie hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen auf die Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre geistige Höhe je tiefer zu stellen sein, je größer die zu erfassende Masse sein soll. Je bescheidener ihr wissenschaftlicher Ballast, um so durchschlagender ihr Erfolg." Die angewandten Mittel für große Massenwerbungen: Autmärsche mit oder ohne Transparent, Flugblätter, Handzettel usw. sind für uns nur bedingt 293a

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.