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Der jüdische Student · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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daß Martin luber mit seinem stark subjektiv bedingten Zionismus es ist, der in den jungln^eralen Kreisen Geltung und Einfluß hat. Ich selbst habe mehrfach Gelegenheit fshabt, zu beobachten, wie es Buber persönlich gelang, Menschen, die er für den Zionismus gewinnen wollte, an sich zu fesseln. Dort blieben sie jedoch stehen auch wenn sie sich dann Zionisten nannten. Wir habfn andere Aufgaben. Es erscheint mir ein grundlegender Irrtum zu sein, wenn dir Zionismus in irgendeiner Form vom Individuum her das Gesamtproblem anzupacken versucht. Denn das Individuum und sein Schicksal wird nur soweit xon der zionistischen Lösung berührt, als es zur Volksgesamtheit gehört und von ihrer anormalen Lage betroffen wird. Aber die Erlösung des jüdischen Individuums ist nicht das Ziel des Zionismus, sondern die Erlösung des Volkes. Für das Leben eines Volkes gelten aber die Gesetze bürgerlich individualistischer philosophischer Lehren nicht. Die nationale Bewegung, die die Gesundung des kranken Volkskörpers, die Verbesserung der sozialen Lage der jüdischers Massen und die Sicherung der Zukunft des jüdischen Volkes erstrebt, ist anäers zu werten, als das Glückstreben des Einzelnen. Ja, der Zionismus verlangt sogar vom Individuum Opfer; er verlangt das «.Aufgeben einer durch das Schicksal der Gesamtheit nicht zu tangierenden Freiheit, ohne es als Gegengabe im individualistischen Sinne zu beglücken. Von jedes von uns hängt es vielmehr ab, wie weit er die im Zionisten vorhandenen elementaren Kräfte in sich aufnehmen und zu den Triebkräften seines Lebens machen kann. Ergeben sich daraus nur Gesinnungen, so ist nicht viel geschehen. Erwächst aber daraus eine bestimmte menschliche und geistige Haltung, eine illen Forderungen des Lebens der jüdischen Gemeinschaft offene TatbereitschaBt so ist sehr viel geschehen: eine Wandlung nämlich ist erfolgt, die das Individuum in die Reihe des Volkes einfügt und dessen Kräfte mehrt, und dks hinwiederum ist wichtig, weil nur so die materielle und geistige Substanz des jüdisc en Volkes, das Erbe von Jahrtausenden, vor dem Hinschwinden gerettet und seiner Zukunft nutzbar gemacht werden kann^ Dies ist die positive Aufgabe des zionistischen Nationalismus. ,,Er vergißt über dem Judentum nicht die Juden, über den Juden nicht das Judentum", disse These stellte Baeck einmal als wesentliches Kriterium des Liberalismus asf. Aber das gerade ist falsch, das kann keine bürgerlich individualistische Le&re, und es ist die Stärke der nationalen Bewegung, nicht daß sie das kann, sandern daß sie ihrer Natur nach gar nicht anders kann. Nur als rationale Bewegung kann der Zionismus auch an d e r Front angreifen, die ak seine schwächste erscheint und von ihm gemeinhin nur verteidigt wird. ÜJenn nur als nationale Bewegung, nicht auf Grund der auf sozialistischen Prinzipien beruhenden Arbeiterkolonisation, hatte er entscheidende Gewalt über jüdische Sozialisten. Kann der Sozialismus die Lösung der Judenfrage sein oder erfordert nicht auch das Interesse der Juden selbst wie der zukünftigen sozialistischen Gesellschaft die nationale Lösung in Palästina? Das ist die klare Fragestellung, mit der der Zionismus vor den Sozialismus tritt. Die Judenfrage ist eines der sozialen Probleme, deren Lösung der Sozialismus wünschen muß — gerade in unserer Zeit — und die nationalen und sozialen Tendenzen der zionistischen Bewegung, sofern sie eine Bewegung der jüdischen 292a

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