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Der jüdische Student · 1931-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1931)
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Zwecke ernsthafter politischer Diskussion der jüdischen Probleme sowohl mit antisemitischen wie mit philosemitischen Personen und Kreisen. Daß letztere in unseriöser Form von unseren Gegnern informiert werden, vermehrt die Gefahr für das deutsche Judentum, und wir haben die Möglichkeit, uns große Verdienste zu erwerben, wenn wir mit den Gruppen in Verbindung treten, auf die sich das Judentum in Deutschland stützt. Ich habe im vorigen Jahre selb-st erfahren, welche erschütternden und beschämenden Erlebnisse man mit vorurteilslosen geistigen deutschen Menschen von Rang an deutschen Hochschulen bei Gesprächen über die Judenfrage hat. Das also könnte das K.J.V. in seinem eigensten Revier leisten. Vielleicht wäre es sogar in der Lage, hier die Initiative zu ergreifen. Und nun noch eines: niemals schließt eine Angriffstaktik Bündnispolitik aus. Richtig angewendet und auf Zweckmäßigkeitsfragen beschränkt, erhöht sie vielmehr die tiefe Wirkung unserer geistigen Offensive. Man kann sagen, daß die mit uns zum Zwecke der Palästinaarbeit koalierten Gruppen und Persönlichkeiten eine geistige Elite der jüdisch Interessierten umfassen; es ist nur erstaunlich, zu sehen, wie gering ihre Wirkung auf die Masse ist. Es scheint mehr der geistige Durchschnitt zu sein, der, in guter Aufmachung geboten, die jüdische Mittelschicht zu führen geeignet ist. Nur Tote von Rang bleiben — unwidersprochen — die Maßgebenden; was würde Moses Mendelsohn. was sogar Hermann Cohen zu diesen Liberalen sagen, deren Liberalismus hauptsächlich in der eigenen Einschätzung ihres Wertes zu finden ist, was Samson Rafael Hirsch zu diesen Agudisten? , Ein besonderer Fall ist die liberale Jugend. Die zionistische Theorie hat diese Gruppen und Persönlichkeiten soweit beeinflußt, daß sie die jüdische Substanz, die Abstammung, anerkennen und ihr Verhältnis zum jüdischen Volk enger ist als das der älteren Generation, so ist auch ihr Deutschtum nur quasi ein Glaube, beinahe mit einein ,,credo quia absurdum" zu begründen. Sie sind nur wirksam angreifbar, wenn es gelingt, menschlich zu erschüttern und dadurch zu bekehren. Weder die politische Argumentation, das Problem Deutschtum—Judentum betreffend, noch die geistige Erörterung des Inhaltes des Judentums als solchen, wird im allgemeinen zum Ziele führen. Denn für die ersteren haben wir keine sehr brauchbare Theorie. Das Verhältnis zum Deutschtum ist bei uns so subjektiv wie bei ihnen, die Staatsbürgertheorie reicht deswegen nicht aus, weil sie sich als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft fühlen, und ebenso werden sie die Judentumsdiskussion so führen, daß sie unter Anerkennung aller empirischen Feststellungen sich auf ihren Glauben", auf ihr Gefühl also, zurückziehen können. Auf diese Gebiete sollen wir ihnen daher nur nebenbei folgen und dafür um so intensiver den Versuch machen, ihren Subjektivismus zu brechen, indem wir ihnen die objektive Judenfrage so eindringlich wie möglich darlegen. Nur auf diese Weise können wir sie nämlich dazu bringen, sich zu stellen, weil die Frage des Schicksals des Judentums und der eigene Glaube in einen Widerstreit geraten, welcher Möglichkeiten der Lösung in sich birgt, Den anderen Weg öffnen meiner Ueberzeugung nach nur die Buberschen Lehren von der Einheit des Menschlichen und Jüdischen. Es ist kein Zufall, 292

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