Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1931)
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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keil und Wucht zusanmenfaßten, was der Zionismus der jüdischen Assimilation zu sagen hatte, so steht dieses Buch gleichzeitig am Anfang einer neuen Aera. Das Judentum mußte den extremen, formalen Nationalismus in sich aufnehmen, um ihn zu überwinden. Wer das nicht versteht, vergißt, daß der Selbsterhaltungswille in der Not des Untergehens ethische Pflicht eines Volkes ist und nicht, wie bei anderen, überflüssige seelische Attitüde. Der Zionismus als Angreifer mußte die schärfste Antithese der These von der rein religiösen Natur des Judentums entgegensetzen, um die Assimilation aus ihren ¥erschanzungen zu locken. 'Was hat sich gelindert? Der Zionismus als Weltbewegung! Er hat Palästina gewönne::* und die Anerkennung des jüdischen Volkes als Nation in den Ländern des Ostens erreicht. Das Weltjuc&entum, das durch den Zerfall Rußlands und die großen Wanderbewegungen <ier Nachkriegsjahre durcheinandergeschüttelt ist und innerhalb dessen die Machtverhältnisse ebenso gewechselt haben wie in der großen politischen Welt. Die politisc&e und geistige Struktur der Umwelt, insbesondere durch Verstärkung des Nationalismus, durch teilweise Realisierung des Sozialismus in iem kommunistischen System, durch das Aufkommen faschistisch reaktionärer Strömungen und Regierungsformen, die zum Teil dadurch bedingte MacMerweiterung des Antisemitismus und endlich die weltwirtschaftliche Umgruppierung, Der Erfolg einzelner Maßnahmen ist dabei niemals entscheidend wichtig. Mögen den Liberalen Wahlsiege zufallen, die ihnen menschlichem Ermessen nach unter allen Umbänden sicher sind. Mag der C.V. sich immer wieder stolz auf seine große Majorität berufen, mag man gegen uns auch heute noch die Mittel anwenden, die die Mehrheit in der Demokratie verleiht, — sie hören es im Gebälk des eigenen Hauses bröckeln und krachen, sie fühlen den fortschreitender Abfall, den Mzngel an Nachwuchs, sie sehen sich die Jugend entgleiten. Das eben sind aBter auch die Ziele der politischen Aktion. Sie schließt nicht die individuelle Werbung aus, sie ermöglicht sie in jedem Fall und verstärkt ihre Wirkung. Vor allem ist Wart auf Verstärkung der Maßnahmen zu legen, dur.cn die wir uns wichtiger Arbeitsgebiete der jüdischen Gesamtheit bemächtigen können: Gemeindearbeit und speziell soziale Arbeit gewinnen angesichts der wachsenden Bedeutung des sozialen Problems auch an Bedeutung für die Vermehrung unseres Einflusses, und wir müssen die gerade dort in Theorie und Praxis bereits vorhandene Position unserer Leute erweitern, — die Lösung der Schulfrage in unserem Siine würde unsere Jugendarbeit entscheidend beeinflussen, und daß gerade jetzt der C.V. scheinbar allein den Kampf um.die Rechte des deutschen Judentums führt, ist eine gefährliche Lücke, die unter allen Umständen bald ausgefüllt werden muß. Ich muß Euch offen sagen, daß alle Exkulpierungsreden, die ümmer gehalten werden, wenn dies Thema bei uns erörtert wird, von sterilen Phrasen strotzen. Ein möglicher Weg liegt m. E. in aktiver Aufnahme engerer Begehungen nach der nichtjüdischen Seite hin und dies zum 291a