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Der jüdische Student · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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der Basis einer Freund-Feind-Beziehung möglich, wobei diese beiden Begriffe in ihrem konkreten existentiellen Sinn nicht als Symbole oder Metaphern zu nehmen sind. Die Anwendung von Gewalt, der Krieg, muß als reale Möglichkeit immer im Hintergrund sein, um überhaupt — unter Voraussetzung der als wesensnotwendig erkannten Freund-Feind-Beziehung — die Durchführung eines staatspolitischen Handelns zu gewährleisten. Das allein auf der Gewalt beruhende Moment des Machtmäßigen wird also als der Inhalt des „Begriffs des Politischen" bezeichnet. Von hier aus ergeben sich dann im weiteren die von Schmitt äußerst pointiert entwickelten Antithesen gegenüber dem individualistischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts. Das liberale Denken bewegt sich „in einer typischen immer wiederkehrenden Polarität von zwei heterogenen Sphären, nämlich von Ethik und den Kulturkonservatismus, der den konservativen Gedanken auf den Boden der Gegenwartskultur stellen und die Intelligenz den rechtsstehenden Parteien wiedergewinnen will." 6) Auch in vielen anderen Einzelheiten und Analysen ist dieser Aufsatz Grabowskys nur aus seiner eindeutig konservativen Bewußtseinshältung heraus zu verstehen, was für einen Kenner des konservativen Denkens und Erlebens sofort evident ist. Er charakterisiert — um ein Beispiel zu geben — den Zionismus als „das einfache Lebensgefühl, das selbstverständliche elementare Dasein, das warme Glück biuthafter, wurzelhafter Existenz, eine Bewegung, die von amerikanischen und europäischen Zionisten „unaufhörlich mit den Kübeln des Intellektualismus Übergossen wird, denen er doch gerade entrinnen sollte". Sie „zerreden" den Zionismus, indem sie „in einer Unzahl Wirtschaft". Insofern schließt es eine „Negation des Politischen'* ein, weil die in jeder typisch liberalen Aeußerung vorhandene Synthese von „ethischem Phatos und materialistisch-ökonomischer Sachlichkeit" sich zwangs-. mäßig gegen jede Art von Gewaltanwendung und Unfreiheit seitens des Staates wenden und immer zwecks Stabilisierung individualistischer Tendenzen und Wollungen eine friedlichfreiheitliche Atmosphäre voraussetzen muß. „Durch den Liberalismus des letzten Jahrhunderts sind alle staatlichen und politischen Vorstellungen in einer eigenartigen und systematischen Weise verändert und denaturiert worden1'. Wir sehen also, wie hier in einer Polemik gegen den Liberalismus bezüglich der Voraussetzungen politischen Handelns und der Entfaltung machtpolitischer Energien genau dieselben Ergebnisse erzielt werden wie bei der Grabowsky'sehen Betrachtung von Organen hohe Weisheiten von sich zu geben pflegen". Diesen Ausführungen liegt einer der wichtigsten Charakterzüge des konservativen Denkens zugrunde, der sich aus dem gesamten realsoziologischen Hintergrund — die Landwirtschaft als der sozial-wirtschaUliche Raum der konservativen Schichten und ihrer Ideologie — ohne weiteres ergibt. Es ist die eindeutige Orientierung an das Praktisch-Konkrete, an das Empirisch- Vorhandene, woraus die wesentlichsten Elemente der Morphologie des konservativen Denkens abzuleiten sind: Die radikale Ablehnung jedes rationalen Theoretisierens, jeder abstrakten Begriffe und Systeme — eben der Anti-Intellektualismus, wie wir ihn auch bei Grabowsky feststellen konnten. Ueber die konservative Bewußtseinshaltung Grabowskys wird in dem zweiten Teil des Aufsatzes noch Näheres auszuführen sein. 276

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