Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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das allen Kulturen Gemeinsame, vor allem also eine bestimmte Verstandesbildung, stark abgeschliffen und auf gewisser Ebene zur Gemeinsamkeit bereit ist. In diesem Sinne aber sind die assimilierten Juden, mögen sie sonst jüdisch noch so verwurzelt sein, die besten, wenn nicht die einzigen Europäer. Nathansen z. B. ist gewiß ein guter Jude und wahrscheinlich sehr undänisch, trotzdem würde ich es für nicht sehr glücklich halten, im Europäer seinen Widerpart zu sehen. Auch diese unzureichende Formulierung muß natürlich dem Widerstand gegen das Buch in Kreisen, die es ohnehin vorurteilsvoll sehen, gute Waffen liefern. Alles in allem: es isfct höchst bedauerlich, daß ein aus so edler Gesinnung geschriebenes Bum, das seiner Anlage nach berufen gawesen wäre, unserer Idee bei denkenüen Menschen eine Art Grundlage zu schaffe^ so völlig versagt und daß j& deshalb unseren Gegnern die Eiavande gegen unseren Gedanken seiist zu liefern scheint, während es sich doch in Wahrheit nur um die unzulängliche Anwendung eines an aach richtigen Gedankens handelt. Gustaw Krojanker. Zionismus und Liberalismus. (Eine erste Auseinandersetzung mit Adolf Grabowsky.) Von Dr. Josef Cohn. I. Es sind bereits die verschiedensten Versuche gemacht worden, den Zionismus sei es in ideologischer Hinsicht sei es bezüglich seiner realpolitisch - praktischen Verwirklichung in Zweifel zu ziehen oder zu widerlegen. Einen der interessantesten Versuche dieser Art stellt zweifellos der vor einiger Zeit veröffentlichte Aufsatz des angesehenen politischen Schriftstellers Adolf Grabowsky dar, den er unter dem Titel: „Das Schicksal Palästinas und die Krise des Zionismus*' in der „Zeitschrift für Politik" (XIX. Bd., Heft 8, S. 519 ff.) veröffentlicht hat. Die hier entwickelten Gedankengänge sind in formeller Hinsicht insofern ganz .neuartiger Natur als auf der Basis von rein ideologischen Ueberlegungen die Unmöglichkeit der Verwirklichung des Zionismus — der Entwicklung eines autonomen jüdischen Staatswesens — behauptet wird. Grabowsky geht luerbei von der These aus, daß eine iiestimmte Geschichtsphilosophie, wdkhe insbesondere das moderne Judenäam der Emanzipationszeit auszeickcet und zu einer lebendigen Wirksamkeit gebracht hat, jedes staatspolitisrhe Handeln, jede staatsschöpferische Tätigkeit ausschließt. Grabowsky gkaibt, die Aussichtslosigkeit des polüschen Zionismus, seine Unfähigkeit,, machtpolitische Energien zu entwickeln, daraus herleiten zu können, tkß die individualistischen, „allen aj£äkollektivistischen Mächten" ergebenen Juden in dem Sinne unhistorisch sind, „daß sie von den eigentlich gescüchtsschaffenden Kräften nichts ockr nur wenig begreifen" insbesondere nichts „vom Wesen der Macht und wm Kampf um die Macht".1) Sie hätten sich jedoch *) Wobei Grabowsky unter Macht die „Fähigkeit des Staates oder Volkes sich zu behaupten und seinen Willen im Kreise der linderen Staaten oder Völker geltend zt machen" versteht. 273