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Der jüdische Student · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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unter je: a Gesichtspunkt des jüdischen Einschlags sieht, der in einer von guten Europäern, also liberalen Juden und Nichtjuden, bef >benen Literatur sorgfältig versch' :t und in der antisemitischen verzerrt wird. Hier scheint doch vor einem größeren Forum erfüllt, was wir immer gefordert und in unserem engeren Kreise gelegentlich auch selber versucht haben, nämlich: noch in der ge-, brochenen Form einer Erscheinung, die wesentlich der nichtjüdischen Welt zugehört, die Grundkräfte des jüdischen Menschen zu erkennen. Das Buch hat deshalb, soviel mir bekannt 'ist, in unserer Publizistik eine ausgezeichnete Presse gefunden. Aber gerade die Tatsache, daß hier unsere Art des Sehens beinahe zum ersten Male einen breiteren Weg in die Oeffentlichkeit gefunden hat, sollte 'uns zu aufmerksamster Prüfung veranlassen. Schließlich kommt es nicht auf die gute Gesinnung und nicht auf das Prinzip, sondern nur auf die Art seiner Anwendung an. Es ist aber in diesem Buch äußerst schlecht angewandt. Das gilt schon für die äußere Form. Nathansen erzählt von Brandes, er habe die Gewohnheit gehabt, jeden Tag einen vollen Druckbogen zu schreiben und diesen dann gleich immer setzen zu lassen. Nathansen scheint ebenso gearbeitet zu haben. Das Ganze macht den Eindruck, als hätte er in einigen Wochen niedergeschrieben, was ihm jeweils bei dem Namen Brandes einfiel, hätte das Geschriebene jeden Tag in die Setzerei gegeben und dann schließlich, als ihm nichts mehr einfiel, das Ganze für ein abgeschlossenes Buch erklärt. Man kann es ebenso gut von hinten anfangen. Innerhalb dieses erstaunlichen Mangels an Aufbau herrscht auch noch eine edle Wirrnis von Tatsachenbericht, gedanklicher Analyse und sentimentalen persönlichen Erinnerungen. Der Unzulänglichkeit der Form entspricht die des Inhalts. Ein Gründfehler steckt schon in der Anlage, die durch die doppelte Formulierung des Titels zum Ausdruck kommt. Man kann nämlich wohl ein Bild von Georg Brandes geben und im Rahmen dieses Bildes auf den Juden Brandes soviel Licht fallen lassen, wie dem Maler .erforderlich scheint. Das wäre dann immer noch ein Porträt, bei dem man dann schlimmstenfalls einen Zug als überbetont empfinden könnte. Aber wenn man, wie Nathansen das tut, überhaupt nur den Juden Brandes sieht; wenn man eine Erscheinung des europäischen Geisteslebens, die zudem von ihrem Judentum nichts wußte und nichts wissen wollte, lediglich unter jüdischem Aspekt betrachtet — dann gibt man kein Porträt dieses Menschen mehr, sondern benutzt ihn als Anlaß, um an ihm als einem typischen Fall in typischer Situation ein bestimmtes Problem darzutun. Indem Nathansen die Frage: Jude oder Europäer zur einzigen des Buches macht, hat er sich das Porträt schon verdorben. Das wäre noch unwesentlich, wenn er nun bloß den Gegenstand, der dann immer noch übrig bleibt, richtig angepackt hätte. Es ist fast unglaublich, wie er ihn angefaßt hat. Ob nämlich nun die Zeichnung eines Menschen Selbstzweck oder Anlaß ist — gleichviel: die Seele muß durch den Körper erscheinen. Auch der Schriftsteller hat keine andere Möglichkeit. Bei ihm ist der Körper das Material aus persönlichen Erlebnissen, Zeiterlebnissen und Bildungseinflüssen, die- 270

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