Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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verbindet. Ich hätte die Ueberschrift wählen sollen: „Briefwechsel eines Deutschvölkischen jüdischer Abstammung mit einem Deutschvölkischen nichtjüdischer Abstammung." Aber das wäre sprachlich unschön und nach dem üblichen Sprachgebrauch auch weniger deutlich gewesen. 2. Ich habe nicht das Geringste dagegen, daß Sie das Bestehen eines „jüdischen Volkes" anerkennen; ich selbst erkenne es, wie ich in meinem Schreiben vom 30. April 1931 klar ausgesprochen habe, ebenfalls an. Ich bestreite nur, daß alle Juden zu diesem Rest eines früheren Volkstums gehören, und wehre mich dagegen, daß man die Wegentwicklung von diesem Volkstum, die — mit Ihrem Ausdrucke bezeichnet — eine „Naturtatsache'' ist, als „Assimilierung", also als etwas Künstliches hinstellt. 3. Ich nenne mich einen „nationaldeutschen Juden1', wo ich innerhalb der Judenheit Erziehungsarbeit und gegenüber Nichtjuden Aufklärungs- und Verständigungsarbeit leiste. Gegenüber einem Ausländer und in Deutschland überall dort, wo nicht gerade von der Judenfrage die Rede ist, bin ich nur Deutscher und nenne mich auch nur so. Damit haben Sie auch den Grund dafür, daß unsere 'Zeitschrift „Der nationaldeutsche Jude" heißt und nicht „Der Deutsche", — ganz abgesehen davon, daß die letztere Bezeichnung schon von einer bekannten Zeitung geführt wird. Würden wir unsere Zeitschrift nur „Der „Jude oder Europäer.*' Henri Nathansens Buch „Jude oder Europäer" mit dem Untertitel „Porträt von Georg Brandes" (bei Rütten und Loening) ist eine reine Partei- Deutsche" nennenso würde kein Mensch schon an* dem Titel entnehmen können, ifcß es sich um den Ausdruck einer näionaldeutschen Bewegung innerhalb der Judenheit handelt. 4. Hier gilt das Gleiche, was oben zu 3. gesagt ist. 5. Eine Garantie dafür, daß irgendeiner meiner NacHk>mmen nicht eines Tages den jüdischnrtionalen oder internationalen Schreiirn nachläuft, kann ich Ihnen ebensowenig geben, wie Sie mir garantieren kamen, daß nicht Ihr Sohn oder Enkel lommunis Iis eher Internationalist, deutschfeindlicher Hetzfilmfabrikant oder dergl. wird. Um solche Abirrung -aarn geraden Wege der Entwicklung mu verhindern, können wir beide nur das Gleiche tun: eine — nach menschlichem Beurteilungsvermögen — richtige Lebensgefährtin wählen, unsere Kinder in einer deutschen Atmosjitäre erziehen und ihnen den deutschen Geist, zumal das Gefühl der unvealrüchlichen Zusammengehörigkeit wdi dem deutschen Volk und Vaterland einimpfen. Alles in allem —ich habe mich über Ihren Brief recht Jjpireut, denn er zeigt mir doch, daß Sie dem Gedanken der Verständigung zwischen Deutschvölkischen nichtjüdisiEen und jüdischen Stammes zugängürh sind. Ich hoffe, daß unser Briefwachsel in einer persönlichen Ausspräche seine Fortsetzung findet. Mit vorzüglidar Hochachtung Naumann. {Aus „Der natiinaldeutsche Jude.") freude, aber leife nur eine Parteifreude. Gewiß, das zioristische Herz freut sich, wenn endlich einmal ein bekannter Autor eine ^Europäische Gestalt 269