Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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BEMERKUNGEN: Briefwechsel eines „Deutschvölkischen jüdischer Abstammung mit einem Deutschvölkischen nichtjüdischer Abstammung". I. Dr. Wilhelm Stapel a n Dr. Max Naumann. 14. Mai 1931. Sehr geehrter Herr Dr. Naumann! Gestatten Sie mir zu Ihrem Brief vom 30. April folgende Bemerkungen: 1. Sie versehen mich in der Ueberschrift mit dem Etikett deutschvölkisch". Ob das, was Sie und Ihre Leser sich unter diesem Worte vorstellen, auf mich zutrifft, kann ich nicht beurteilen. Es ist mir freilich unwichtig, wie man mich etikettiert. Aber ich lege auf die Feststellung Wert, daß ich Ihnen nur als das Individuum Wilhelm Stapel, nicht als Vertreter einer Richtung, einer Gruppe, einer Partei geschrieben habe. 2. Die Tatsache, daß manche Juden nicht Juden sein mögen, die Tatsache, daß sich manche Juden vom Jüdischen wegzuassimilieren bestreben, und die Tatsache, daß sich manche Juden für Nationaldeutsche erklären, hebt die weitere Tatsache nicht auf, daß es ein jüdisches Volk mit einem, wie Sie es nennen, „Grundtypus" gibt. Es ist ferner Tatsache, daß viele Juden sich selbst als ein Volk fühlen und bezeichnen. Daß Deutsche und Juden zwei Völker von verschiedenem „Typ" sind, ist also eine auf beiden Seiten weithin anerkannte Naturtatsache. Warum soll just ich sie nicht anerkennen? 3. Wenn Sie nun Ihrerseits meinen, daß Sie kein jüdisches Volkstum aufzugeben haben, wenn Sie behaupten, deutsch geboren zu sein, warum nennen Sie sich einen ,,nationaldeutschen Juden'* und nicht einen Deutschen? Warum nennen Sie Ihre Zeitschrift nicht „Der Deutsche", sondern „Der nationaldeutsche Jude"? 4. Sie nennen sich einen „deutschgeborenen Juden". Warum nicht einen jüdisch geborenen Deutschen? Warum wählen Sie „Jude" als Hauptwort und „deutschgeboren" als Attribut? 5. Setzen wir, Sie seien in der Tat „in das deutsche Volkstum hineingeboren" (und nicht nur in den deutschen Staat und in die deutsche Kultur), welche Garantie geben Sie uns, daß Ihr Sohn oder Ihr Enkel oder Ihr Urenkel nicht eines Tages erklärt, er sei aber Jude? Selbstverständlich bin ich gern bereit, mich mit Ihnen auch mündlich über diese Dinge zu unterhalten. Aber es steht noch nicht fest, wann ich wieder nach Berlin komme. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener Wilhelm Stapel II. Dr. Max Naumann an Dr. Wilhelm Stapel. 24. Mai-1931. Sehr geehrter Herr Dr. Stapel! Ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 14. Mai 1931 und beantworte Ihre Fragen punktweise entsprechend der von Ihnen gewählten Gliederung: 1. Die Ueberschrift „Briefwechsel mit einem Deutschvölkischen'* ist in der Tat von mir gewählt, weil sich mit dem Worte „deutschvölkisch" nicht nur bei den Lesern unseres Blattes, sondern auch in weiteren Kreisen ein bestimmter Begriff, insbesondere was die Auffassung der Judenfrage betrifft, 268