Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Freundschaft hinzutretend, verleiht sie ihr spezifische Eigenart . . . Wir sind nicht bloß durch die Idee des Zionismus verbunden, sondern durch das gegenseitige Gelübde der-Treue, das ausge* sprochen oder unausgesprochen unserem korporativen Leben seinen Sinn verleiht. Nicht Gesinnungsgenossen sind \rir, sondern ge~ vrissermaßen Eidgenossen. Der Zusammenhang zwischen dem Geist des Bundes und der Bundesbrüderlichkeit ist entscheidend. Gegen den Geist der Bundesbrüderlichkeit fehlt, uer die Bundes^ treue verletzt. „Disziplin heißt Respekt vor unserer eigenen Gemeinschaft. Nur eine auf dieser Grundlage aufbauende Gemeinschaft hat zionistische Stoßkraft. Nur in diesem Sinne erzogene Menschen können brauchbare Bürger Palästinas werden." Seit Jahr und Tag lebt die jüdische Studentenschaft Europas unter schwerstem politischen und wirtschaftlichen Druck. Die ökonomische Lage cUr Juden in den Ostländern hat einen proletarisierten Akademikerstand von schlimmstem Ausmaße geschaffen. Die Exzesse in Jassy und Bukarest, in Klause n b u r g und Czernowitz — wir gedenken der Ermordung David Faliks —, der offene numerus clausus in Ungarn, der versteckte in Polen, der Rassewahnsinn an den Hochschulen Oesterreichs, das sind die Marksteine in der Geschichte des akademischen Lebens unserer Generation. Daß auch die Leitung der Pariser Sorbonne sich zu Maßnahmen gegen die zu groß werdende Zahl rumänischer, oder richtiger gesagt, jüdischer Studierender veranlassen ließ, bedeutet schlechte Prognose für die Weststaaten. Die Gastfreundschaft Italiens und Belgiens gegenüber den aus ihren Heimatländern Verdrängten kann für die Dauer den Druck nicht beseitigen. Als im April in N y o n die zweite Konferenz des internationalen Studentenwerkes zusammentrat, um sich mit dem Judenproblem auseinanderzusetzen, fand sie eine Situation, wie sie oben schlagwortartig skizziert ist. Und deshalb nahm sie in ihrer Schlußsitzung am 18. April eine „Richtlinie" an, nach der „Gewalt und beleidigende Herabsetzungen des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt abzulehnen ist". Auch die Vertreter der weltanschaulich antisemitischen Verbände stimmten der Richtlinie zu. Eine fruchtbare Einwirkung blieb ihr bis heute versagt. Wir wollen gegenüber Menschen und Methoden keine Kritik üben, von denen wir glauben, daß Kritik, daß Worte und Aufklärung in den Wind gesprochen sind. Wo nichts als nur die nackte Macht, fast immer auch die der Fäuste, regiert, gibt es vielleicht Verteidigung, aber nur eine Anklage: Wir wollen die Geschehnisse registrieren, uns des Unrechts bewußt werden, das uns widerfuhr und, die historische Verantwortung auf die ladend, die in ihrer Verblendung meinen, die „Erwachenden" jeder Nation zu sein, immer von neuem dem Weitgewissen entgegenhalten: Das ist das Gesicht unserer Feinde! Gerhard Hold heim (V.J.St. Maccabaea-Berlin, A.H.) Warum Scopus? 260