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Der jüdische Student · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Bei Ausbruch des Krieges waren die beiden Kartelle kurz vorher zu einer neuen einheitlichen Organisation zusammengefaßt, dem K.J.V., das die nur national jüdische Vorstufe des ursprünglichen B.I.C. bereits zugunsten eines ausgesprochenen zionistischen Programms überwunden hatte. Nach dem Kriege setzte sich die Entwicklung um so stärker hat. Zunächst schien sie sich zu überstürzen, eine ausschließlich Einsteliing auf Chaluziuth, war mit völliger Negierung der Galuthaufgaben verbunifen, der Mangel feststehender und den jüdischen Ideen angepaßter Lebensform»! führte zum radikalen Bruch mit den bisherigen Formen des Verbindungslefcans, und der Bestand des Kartells schien kurze Zeit gefährdet. Diese Uehertreibung und Ueberspitzung, die mit der allgemeinen Situation und Entwirklung in Deutschland mitschwang, ebbte schnell ab. Die Linie einer steigen Entwicklung wurde wieder erkennbar, ihre Hauptaufgaben lagen in der Erziehung zu Chaluziuth, Hebräisierung der jungen Generation und zionistischen Aktivierung der Alten Herrenschaft. Die politische Situation, die die Realisierung der Chaluziuthforderung für die Allgemeinheit der Bundesbrüder unmöglich machte, bedingte eine stärkere Beziehung zu den Problemen cfes Galuthjudentums, ohne das Ziel der Gestaltung eines starken Palästinatvillens zu vernachlässigen. Das Kartell wird vorbereitet, um im Augenblitk, in dem eine stärkere Immigration deutscher Juden in Palästina möglich wrird, das Hauptreservoir dieser Alijah zu sein. Die Bedeutung des K.J.V. für die zionistische Organisation Ufeutschlands ist unbestritten. Die zionistische Organisation hat in den Alten Herren des K.J.V. ihre stärksten Stützen, und es ist kein Zufall, sondern &s Resultat der K.J.V.-Erziehung, daß in allen leitenden Gremien des deutschen:' Zionismus von den Ortsgruppen bis zur Leitung der Z.V.f.D. eine überwiegmde Anzahl von K.J.V.ern tätig ist. In besonders hohem Maße widmet sidfe das K.J.V. der Gewinnung der jüdischen akademischen Jugend für die zionistische Idee. Neben den Erscheinungen eines petrefakten deutsch-jüdischen Eiberaiismus zeigt sich heute in dem politischen Leben der jüdischen Jugend Deutschlands ein ähnlicher Prozeß, wie er vor der Entstehung des moderen Nationaljudentums vor sich ging. An Stelle der fremdnationalen Betälagung der damaligen jüdischen Studentenschaft ist ihre Betätigung in den sozialen Bewegungen der Gegenwart getreten, aber man kann auch hier schon sehen, wie sie den Kontakt mit den Bewegungen verliert, politisch ^arückgedrängt wird, aber in ideologischer Beharrung die Entwicklung überlebt und eines Tages genau so im Sozialismus isoliert sein wiril wie es eine frühere Generation in der deutschen nationalen Studentenschail gewesen ist. Die große Aufgabe jeder akademischen Jugend ist eben den Dienst am eigenen Volk. Aus der Geschichte der Befreiung der anderen Völker und aus der Rolle, die dabei die Studentenschaften dieser Völker gespielt haben, ergibt sich für den jüdischen Akademiker die große Aufgabe sehes Standes — die nationale Befreiung des jüdischen Volkes. Die geistigen, amoralischen und physischen Kräfte, die er dieser Aufgabe widmet, wird das befreite jüdische Volk der Menschheit vervielfältigt wiedergeben, und hier ^ird Dienst am eigenen Volk — Dienst an der Menschheit. 253

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