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Der jüdische Student · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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die zionistische Bewegung der damaligen Zeit gehabt haben müssen, geht daraus hervor, daß Herzl zu wichtigen politischen Beratungen die Erstchargierten der Verbindungen Wiens und der österreichischen Provinz regelmäßig zuzog. Die Angelegenheiten der Verbindungen, auch die studentischen Fragen, waren von Wichtigkeit für die Bewegung, und Herzl war es wichtig genug, auf Konvente der Verbindungen zu kommen, sie zu beraten und mit der Macht seiner Persönlichkeit in ihre Probleme und Konflikte einzugreifen. Die Verbindungen lieferten in ihren Alten Herren die Grundpfeiler der zionistischen Organisationin dem Maß, als diese Organisation wuchs, gingen die politischen und organisatorischen Arbeiten immer mehr von den Verbindungen auf die Organisation über. In demselben Maß entwickelte sich die innere Arbeit der Verbindungen, die Erziehungsaufgaben und die Vertiefung der zionistischen Ideologie. In den Kreisen der Verbindungen sind die Probleme des Zionismus entstanden und durchgekämpft worden, und zwar sowohl die theoretischen als die politischen Probleme. Auch Palästina gehörte zu den theoretischen Problemen. Die Verbindungen haben zuerst begonnen, dieses Problem zu konkretisieren; die Kenntnisse über Palästina — lückenhaft und zum Teil falsch — wurden eine der Hauptaufgaben der zionistischen Arbeit der Verbindungen. Eine immer größer werdende Zahl von Bundesbrüdern, die nach Palästina gingen, schuf engen Kontakt mit dem damals noch geringfügigen jüdischen Leben in Palästina und mit dem Lande selbst. Die Beschäftigung mit den Fragen Palästinas, mit den kulturellen und nationalen Werten des Judentums, — jüdische Literatur und Geschichte — entwickelten jüdische Inhalte des politischen, zionistischen Rahmens, und in dem gleichen Maße dieser Entwicklung lockerten und lösten sich die äußeren Bindungen an die Formen des deutschen Studententuras. Diese Entwicklungslinie gilt sowohl für die österreichischen zionistischen Studentenverbindungen als auch für die später in Deutschland entstandenen. Allerdings, die Entwicklung in Oesterreich ging langsamer vor sich, dort hielt der damals schon aggressive und brutale Hochschulantisemitismus die zionistische Studentenschaft noch stark am Hochschulkampf fest. Die zionistischen Verbindungen in Deutschland entstanden zu einer Zeit, als bereits die Entwicklung jüdischer Inhalte ein Teil des zionistischen Lebens geworden war. Allerdings sowohl der B.I.C. als auch das K.Z.V. — in gewissen Nuancen unterschieden — standen zwar auf dem Boden der Satisfaktion, d. h. führten den Kampf mit der studentischen Waffe des Duells. Aber sie wurden beide nicht in dem Grade wie die österreichischen studentischen Verbindungen vom physischen Kampf mit dem Antisemitismus in Anspruch genommen. Der Antisemitismus auf den Universitäten Deutschlands trug damals noch mehr den Charakter einer akademischen Auseinandersetzung. So hatten beide Kartelle größere Möglichkeit einer Verinnerlichung ihres Lebens. Die Entwicklung beider ging immer mehr in die Richtung der Konkretisierung des Zionismus und der Erfüllung des persönlichen Lebens mit zionistischen und jüdischen Inhalten, äußerlich mit Loslösung von den nichtjüdischen Formen \ des Couleurstudententums. * 252

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