Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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diktiert, sondern auch von den blutigen Erfahrungen, die die germanischen Heldensöhne in den Mensuren mit den mißachteten Judenjungen gesammelt batten. Der heutigen Generation mag und muß die jüdische Vorstellun^welt jener Zeit vielleicht absurd, sicher unjüdisch erscheinen. Im nationalem jüdischen Gedankenbau war auch das Palästina-Ideal noch stark mit unjüdiischen Vorstellungen belastet. Zwischen damals und heute liegt für die Westjuden das ungeheure Erlebnis der Berührung mit den Inhalten des jüdischen V®lks- und Geisteslebens, die die zionistische Bewegung herbeigeführt hat. Inzwischen ist in einer dreißigjährigen Gesinnungs- und Tatgemriinschaft von West- und Ostjudentum eine Angleichung, die keine Assimilation ist, entstanden, eine Angleichung, die ein kultureller Ausscheidungsprozel unjüdischer und Bildungsprozeß jüdischer Werte geworden ist. Auch heulte ist dieser Prozeß noch keineswegs abgeschlossen. Er wird erst in Erez Israel seine Vollendung finden. War auch der Ideeninhalt des jungen jüdischen Nationalismis in Westeuropa im Grunde genommen nur europäischer Nationalismus mit jüdischem Vorzeichen, so hatte diese jüdisch-nationale Idee trotz der Sahlacken der Assimilation ungeheure aufwühlende und revolutionäre Gewalt. Es war ein radikaler Bruch, ein Zerreißen aller Beziehungen mit der Ideenwelt, die die westeuropäische Judenheit seit Generationen ohne Einschränkung beherrschte. Es war Bruch und Kampf mit der Generation der Väter, von einer Leidenschaftlichkeit und Schärfe, wie die heutige zionistische Jugend sich kaum vorstellen kann. Narren oder Verräter erschienen diese Jungen ihren Eltern, und unzählige schmerzliche Zerreißungen zerstörten das berühmte jüdische Familienleben. Nicht nur äußerlich, auch innerlich war es eine tiefgreifende Revolution. Der Entschluß eines Jungen von heute, sich aus Milieu, Familie und Beruf loszulösen und als Chaluz nach Erez Israel zu gehen,, verlangt nicht mehr an Umstellung und Umwertung, als vor 30 Jahren der UTebergang vom Assimilationsjuden zum Nationaljuden. An den Ideen jener Zeit gemessen, waren die ideologischen Forderungen des utopischen Zionismus weitergehend als die Forderungen, die sich aus der heutigen Realität des Zioarismus ergeben. Der Zionismus machte seine Anhänger zu Bekennern,, löste sie mit einem Schlage aus ihrem bisherigen Ideenkreis und aus dsm Kreis ihrer Freunde und Familien. Er ergriff im wahren Sinne des Wortes Besitz von ihnen. Die Aufgäbe des Tages war der Zionismus, seine Propagierung, seine Organisation und seine ideologische Weiterentwicklung.. Die zionistischen Studentenverbindungen waren der Hauptsächlichste Träger des Zionismus. Sie waren die Organe der Agitation. Se organisierten die Versammlungen und stellten die Redner, sie unternahmen fcopagandistische Streifzüge in die Provinz, sie schrieben die zionistischen Zeuhmgen und sie bildeten den Kern der zionistischen Organisation. Welche Bedeutung sie für 251