Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lust erweckt. Die Aufforderung an die arabischen Führer, ihre negafere Taktik zu ändern und am neuen Landentwicklungsplan mitzuarbeiten, hat mir wenig Resonanz gefunden. Die arabischen Führer fürchten, daß eine Axiaihe notwendig eine schwere finanzielle Last für die arabische Majorität sei, während das für die Entwicklung geeignete Land bereits in jüdischen Händen rst. Der Endzweck des Planes, durch intensive Kultur das notwendige Landaasmaß für die Erhaltung der arabischen Bewohner zu verkleinern und dadurch größere Bodenflächen für jüdische Siedlungen freizumachen, verstoße gegen elementare arabische Interessen. Manche arabischen Stimmen haben sich auch schon gegen &se kurzsichtige Politik erhoben. Man begreife, daß der Erschließungsplan dmchgeführt wird, wenn das Parlament die Anleihe bewilligt. Ob nun mit oder ohsre Unterstützung der gegenwärtigen arabischen Führer, hängt nur von der acabischen Exekutive ab. Um so mehr, als man in der Gründung des arabischen Mationalfonds nach Muster des NF. ein nicht unerhebliches Finanzinstrumesct in die Hand bekommen habe. Demgegenüber, so führt die „Times'* in einem weiteren Artikel aus, ist es verblüffend, wie wenig von zionistischer Seite geschehe, um die als ^notwendig erkannte arabisch-jüdische Einigung einer Lösung näherzubringen. Zwazr spreche sich das Programm des Verbandes der jüdisch landwirtschaftlichen Arbeit nachdrücklich für eine Hebung des Lebensniveaus des Fellachen aus, md betone auch die Solidarität des jüdischen mit dem arabischen Arbeiter, vende sich aber gleichzeitig gegen die Zulassung arabischer Arbeiter auf dem {jüdischen Arbeitsmarkt In jeder jüdischen Unternehmung kann man das gleäshe Programm beobachten. Eine weitere beunruhigende Erscheinung im jüdischen Palästina ist die heftige Unzufriedenheit der Juden gegen die lokale britische Administration, von der man glaubt, daß sie feindlich der Idee des jüdischen Natimalheims gegenüberstehe. Eine schwierige Frage, deren Ursprünge auf die Zeit der militärischen Besetzung und zum größten Teil auf den Unterschied in der Psychologie des osteuropäischen Juden und "des Durchschnittstyps ekes britischen Beamten zurückgehen. Auch nach zwölfjähriger Beamtenschaft haben beide Elemente auffallend wenig geistige und soziale BerührungspurJbie. Wer sie kennt, wird ohne Schwierigkeiten bei den idealistischen, lebhsiten und phantasiereichen osteuropäischen Zionisten Züge feststellen können, die beim Durchscnnittstypus des britischen Beamten kein sympathisches Verständnis finden. Umgekehrt mag es wohl auch bei diesen Beamten an Feksinn und Anpassungsfähigkeit fehlen!, und es braucht kein Akt der Geringschätzung zu sein, wenn er mit der hebräischen Sprache nicht zurechtkommt oder es unterläßt, ein gründliches Studium der Geschichte und Psychologie utd Sozialauffassung des Zionismus zu betreiben. * Im Anschluß an die Wiener Unruhen hat sich auch eine Welle von Studenten-Unruhen auf fast alle Universitäten Deutschlands in mehr oder weniger heftiger Form gezeigt. Die Ursache ist der Streit wr dem österreichischen Verfassungsgerichts!^! über das Studentenrecht an der Wiener Universität. Auf die Klage des Regierungsrats Ernst Kleebinder hat Jer Verfassungsgerichtshof die Verordnung über das Studentenrecht der Usriversität als gesetzwidrig aufgehoben. Die Universitätsbehörden hatten die Kompetenz des Gerichisnofes in dieser angeblich internen Angelegenheit, und jedes Moment des Zwanges bei der Anordnung, Studentenschaften gleicher Volkszugehörigkeit zu rüden, bestritten. Es hätte auch der jüdischen Studentenschaft freigestanden, eine eigene Studentenschaft zu schaffen. 221