Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einen schwierigen Stand. — Große Hoffnungen setzte der Jischuw auf die Ernennung eines neuen Oberkommissars in Palästina; man sprachschon, lange von einem Militär. Sir John Robert Chancelior hat für den 1. November demissioniert. An seiner Stelle ist nunmehr der Generalleutnant Artur Grenfell Wanhope zum Oberkommissar von Palästina und zum Oberkommandeur für Transjordanien ernannt. Er ist für uns ein unbeschriebenes Blatt. Wir wissen bisher über seine frühere Tätigkeit nichts. Man setzt große Hoffnungen auf einen Soldaten in Erinnerung an die Tätigkeit Lord Plumers, und das gilt vielleicht auch für den neuen Oberkommissar. Von der Besetzung des Postens mit einem Militär erwartet der Jischuw, daß, ähnlich wie Plumer, wieder ein Mann an der Spitze des Landes steht, der sich nicht durch Drohungen von seinem Wege abbringen läßt. Von Lord Plumer wird erzählt, daß kurz nach seinem Regierungsantritt arabische Führer ihn darauf aufmerksam machten, daß sie bei Ueberführung der jüdischen Feldzeichen nach Palästina nicht mehr die Verantwortung für die Ruhe des Landes übernehmen könnten. Sehr verwundert soll Lord PLumer geantwortet haben: „Meine Herren, welch ein Irrtum, die Verantwortung übernehme ich, und glauben Sie mir, die Ruhe im Lande wird gewahrt werden." Und sie wurde gewahrt während seiner ganzen Regierungszeit. Hoffen wir, daß der neue Oberkommissar diese Erwartung des Jischuw in vollem Umfange rechtfertigt. * Die Instruktion für den Landentwicklungspian ist auf dem. Kongreß von allen Seiten recht ungünstig beurteilt worden. Der Plan sieht eine systematische landwirtschaftliche Erschließung des Landes mit Hilfe einer neuen Anleihe vor. Man fürchtet, daß nach dieser Instruktion die Forderungen der Jewish Agency unberücksichtigt bleiben, wonach gleiche Vorteile aus der Durchführung des Landentwicklungsplanes für Juden und Araber entstehen sollen. Ungünstig erscheint auch, daß der High Kommissionär als letzte oberste Instanz für die endgültige Formulierung und Durchführung des Planes vorgesehen ist. Es scheint uns, als ob für eine lange Zeit uns hier noch einmal eine letzte Gelegenheit zur Mitarbeit gegeben wird. Freilich erfordert eine solche Mitarbeit das Aufgebot aller Kräfte; die besten Experten sind gerade gut genug. Nur mit solchen Sachverständigenvorschlägen haben wir Aussicht, das Ergebnis wirklich zu beeinflussen. Hoffen wir, daß es gelingt, diese Chance auszunützen, und daß die neue Leitung nicht mit einer Politik versäumter Gelegenheiten beginnt. * * Die Londoner „Times" bringt beachtliche Gesichtspunkte in zwei Artikeln vom Mai über die Lage Palästinas. Bisher hat sich, so schreibt die „Times", die konsequente arabische Politik * des Protestes und der Verweigerung der Zusammenarbeit erfolgreich erwiesen. Shaw-Kommission, Simpson-Bericht und Weißbuch haben den Arabern neue und wirksame politische Munition geliefert. Sie (und in diesem einzigen Punkte einig mit ihnen auch die Juden) glauben, daß die lokale Beamtenschaft jede Sympathie mit dem Zionismus, die sie vielleicht früher gehegt, verloren hat. Die „schwarze Interpretation", der MacDonald-Brief, gilt als eine Zurücknahme der Weißbuch-Politik, und hat von neuem die arabische Kampfes- 220