Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Ich bin zu tiefst uberzeugt, daß die Gemeinschaft nicht nur Ziel, sondern auch Quelle unserer Leistung ist. Wenn Ihr meiner Arbeit freundschaftliche Anerkennung gezollt habt, so weiß ich doch am besten, daß meine Arbeit dem Impuls entspringt, den Ihr mir verleiht. Gerade bei solcher Gelegenheit fühle ich, wie sehr ich dem K.J.V, verbunden bin. Im doppelten Sinn dieses Wortes: Ich fühle mich zu Euch gehörig und bin Euch dankbar für alles, was Ihr mir gabt und ich Euch geben konnte. Egon Rosenberg. * K. J. V. und K. H. oder noblesse oblige Die Allherrenschaft des K.J.V. betrachtete sich einst als die Elitetruppe im deutschen Zionismus; wichtiger noch ist, daß ihre gute Meinung vor sich selbst damals auch von der zionistischen Oeffentlichkeit geteilt wurde. Auch heute bewahren eine große Anzahl unserer Alten Herren diesen Ruf des K.J.V., und es gibt genug zionistische Gremien in Deutschland, in denen man sich keines faux pas schuldig macht, wenn man die Mitglieder zur Sicherheit einfach duzt. Im geschäftsführenden Ausschuß, im Landesvorstand, in den zentralen Kommissionen und in den Ortsgruppenvorständen ist der Prozentsatz, den das K.J.V. stellt, noch immer außerordentlich hoch — und nur in einem Punkt sieht die Sache etwas bedenklich aus, und das ist der Keren Hajessod. /vlan soll sich auch da vor Uebertreibungen hüten. Unter denen, die es mit der K.H.-Verpflichtung am genauesten nehmen, ist die Altherrenschaft des K.J.V. recht gut vertreten, freilich besser npch in der erheblich größeren Schar jener, die — ohne sich strikt an die K.H.-Ordnung zu halten — immerhin jahraus, jahrein ihre Beitragspflicht gegenüber unserem zentralen Palästinafonds erfüllen, und dieser kleine Artikel wäre niemals geschrieben worden, wenn die Gesamtzahl unserer Alten Herren sich ohne weiteres auf diese beiden Kategorien verteilen ließe. Leider ist dem nicht so. Es gibt Alte Herren, deren K.H.-Leistungen in Anbetracht ihres Einkommens und ihres Verbrauchs so geringfügig sind, daß man sie eigentlich nur mit der Lupe erkennen kann; es gibt Alte Herren, die jahrelang ganz treu ihrer K.H.-Pflicht nachkamen, dann aber plötzlich müde wurden und nun seit Jahren nichts mehr zahlen; es gibt endlich (und das ist das Erstaunlichste und Betrüblichste) auch eine Reihe Alter Herren, die von der Existenz des Keren Hajessod überhaupt noch niemals Notiz genommen haben, obwohl man sie unzählige Male auf ihre Pflicht als Zionisten und als K.J.V.er aufmerksam gemacht hat. Ein bißchen spät, aber schließlich doch, hat sich das Kartell entschlossen, diesem unwürdigen Zustand ein Ende zu machen. Der letzte Kartelltag hat das Präsidium verpflichtet, am 1. Oktober d. J. automatisch alle diejenigen Alten Herren aus den Listen des Kartells zu streichen, die bis dahin ihre Keren- Hajessod-Angelegenheit nicht geregelt haben. Die Frage is-t, was in der Zwischenzeit seitens der Leitung des Karteils geschehen könnte, um den Kartelltagsbeschluß seinem Sinn nach auszuführen. Denn der Sinn des Beschlusses ist ja schließlich weniger die große Säuberungsaktion, als vielmehr ein letzter energischer Versuch, die bisher säumigen Bundes- 203