Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden willen ständig neuen Nährstoff zuzuführen. Der Kriegstrick 1917 hat seine Schuldigkeit getan; nun gewinnen die auf lange Sicht berechneten englischen Belange wieder die Oberhand. Mögen Weizmann, Lord Melchett (Alfred Mond), Bankier Warburg und andere hervorragende Persönlichkeiten der Jewish Agency und des Zionismus protestieren, mag die zionistische Jugend von Warschau vor der englischen Botschaft demonstrieren, die Wendung der englischen Palästinapolitik ist endgültig vollzogen, und keine Macht der Welt wird der trügerischen Balfour-Deklaration wieder zum Leben verhelfen. Der Zionismus ist an der Kraft der arabischen Nationalbewegung definitiv gescheitert. Man wird in zionistischen Kreisen eine Zeitlang über den englischen „Betrug*' schimpfen und schelten, aber Britanien geht unbeirrt den Weg dem ihm seine Weltreichspolitik eindeutig vorschreibt. Right or wrong, my country! (Seile 833.) In dem letzten Heft vom April 1931 äußert sich Obst ebenfalls im Rahmen seiner regelmäßig erscheinenden „Berichterstattung aus Europa und •Afrika*' über die durch den Mac- Donald-Brief geschaffene neue Situation wie folgt: Das englische Weißbuch vom Oktober 1930 über die britische Mandatspolitik in Palästina hatte bekanntlich eine ausgesprochene araberfreundliche Haltung eingenommen. In zionistischen Kreisen sprach man offen von einem Bruch der Balfour-Deklaration von 1917. Die Folge dieser Neueinstellung der britischen Empirepolitik war ein Abströmen jüdischen Kapitals aus Palästina, Wirtschaftskrise, Verstärkung der Arbeitslosigkeit usw. Das geharnischte Auftreten des Zionistenführers Dr. Weizmann kam hinzu, um MacDonaldsLage einigermaßen schwierig zu gestalten. ,Am Ende entschloß sich der englische Ministerpräsident, in einem ausführlichen Schreiben an Weizmann jenem anstößigen Weißbuch eine „Interpretation" zu geben, die tatsächlich auf eine wesentliche Ab Schwächung und Zurücknahme des im Weißbuch vorwaltenden antizionistischen Standpunktes hinausläuft. Zwar steht am Schluß als Pflästerchen für den Islam das salomonische Urteil, „England erwarte die Zukunft Palästinas von der Verständigung zwischen . Juden und Arabern", aber der Zionismus ist wieder ausgesöhnt und kann sich mit neuem Mut dem Ausbau der nationaljüdischen Heimstätte widmen. Er weiß genau, daß mit der Wiederduldung der jüdischen Kolonisation das Arabertum vorerst wieder einmal seitens England preisgegeben ist. Denn die Interessengegensätze zwischen den Arabern, die ihre Scholle verteidigen, und den Zionisten, die in eben diesem Lande großzügig siedeln wollen, sind unüberbrückbar. (S. 270.) Es ist interessant, an diesem praktischen Beispiele zu beobachten, wie sich eine autoritative, nicht zionistische Stelle genötigt sieht, noch vor wenigen Monaten gemachte Darlegungen über eine endgültige Wendung der englischen Palästina-Politik in sehr weitgehendem Maße zu revidieren. Es ist immer gefährlich, mit einer starken Voreingenommenheit, die in diesem Falle — wie so häufig bei deutschen Autoritäten — antienglisch ist, politische Maßnahmen bzw. Erklärungen zu beurteilen. Die von Obst gemachten Darlegungen über die „Unüberbrückbaren Interessengegensätze zwischen den Arabern, die ihre Scholle verteidigen, und den Zionisten, die in eben diesem Lande großzügig siedeln wollen", sind 201