Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537820-3537824--8025-3546076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
philosophischen Essay zu schreiben. Prinz hat sich für die feuillotonistische Darstellung entschieden. Doch konnte er — das erfordert sein Thema nicht minder als sein Beruf — die Ansätfee einer philosophischen Deutung licht ganz vermeiden. Daß diese Deuturgsversuche die schwächsten Stellen des Werkes werden mußten, ist verständlich: unteT dem Aspekt des rdtgiösen Liberalismus und politischen Nationalismus (Zionismus) zugleich ist die Deutung der Geschichte unseres Volkes eine Aufgabe, deren Bewaldung allein einen nicht allzuschmäcütigen Band erfordert. Sieht man von diesem, mehr den gelernte Historiker als den naiven Leser hiteressierenden Einwand ab, so stellt sidi das Werk als ein im wesentlichen ^dungener Versuch dar, einen lebendig Abriß der Ereignisse zu geben, bis denen die Geschichte der Juden ^iormt wurde, und die Kräfte zu zeigen* die an ihnen formend wirksam wassn. Unter den neun Hauptabschnitten des Buches sind die über die poliüsche und wrtschaftspolitische Geschieht des Mittelalters und der Renaissance besonders gut gelungen. Aus den wenigen Seiten, die Prinz diesen Jochen widmen kann, wird uns die grolitische, wissenschaftliche, wirtschaiHche und soziale Bedeutung der Judm in jenen Tagen sehr viel lebendiger als aus den dicken Bänden, die (Graetz oder Dubnow auf die Darstellung der gleichen Zeit verwenden. Etwas schwächer sind die Kapitel, die sach mit der Antike und mit der religi&en und religionsphilosophischen Lestüng des jüdischen Mittelalters befassen. Insbesondere scheint uns der eirje Zusammenhang zwischen dem jüdisdien Geistesleben des Mittelalters uid der Entwicklung der zeitgenössische europäischen Philosophie nicht genügendherausgehoben zu soin, ein Zusammenhang, dex manche reizvollen Parallelen in dem Verhältnis von jüdischer und allgemein-europäischer Geistesgeschichte im Aufklärungszeitalter findet. Die Geschichte der neuesten Zeit — mangels der notwendigen historischen Distanz am schwierigsten zu behandeln — wird am wenigsten glücklich gemeistert; hier ist die subjektive Auswahl des Stoffes und Wertung des Geschehens, zu der sich Prinz in seiner Selbstanzeige bekennt, wohldoch weiter getrieben, als der Darstellung gut tut» Wenn etwa auf die Würdigung Alberl Ballins, der gewiss ein typischer Repräsentant des deutschen Vorkriegsiudentums gewesen ist, ebensoviel Raum verwendet wird wie auf die Geschichte der russischen und polnischen Juden seit Beginn des 19. Jahrhunderts, so ist das eine schwer ertragbare Disproportion. Wenn dieses letzte Kapitel vor der zweiten Auflage, die wir dem Autor und uns v«-»n Herzen wünschen, einer gründlichen Umarbeitung unterzogen wird, kann das Werk an Wert nur gewinnen. Hubert Pollack. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Herausgegeben von Ismar Elbogen, Berlin, Aron Freimann, Frankfurt, Max Freudenthal, Nürnberg. Philo-Verlag und Buchhandlung G. m. b. H., Berlin W15, Ems er Str. 42. Vgl. hierzu den Aufsatz von Bbr* Raphael Straus: Revisionismus heißt Rückschau , S. Freie jüdische Monatsschan. Es erscheint jetzt — herausgegeben von einem Herrn Melzer und der jüdisch-liberalen Romanschriftstellerin 196