Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber nicht nur mit dem europäischen Osten ringen wir, auch der Orient, in dem unsere Kinder groß werden, steht uns als Feind gegenüber. Man muß sich einmal klar gemacht haben, was ja jeder Tag einen hier lehstf, daß der Orient eben unsystematisch und unmethodisch ist. Auch ihn hat griechisches Maß und römische Organisation nicht gemodelt. Von ihm wei&n unsere Kinder gewiß nicht im Sinne des tüchtigen Konnens geformt werden. Im Gegenteil wird es vielleicht unsere Aufgabe sein, in all den Ikrufen, die wir oben gekennzeichnet haben, dem vorderen Orient Erwecker zu hochwertiger Arbeitsleistung zu werden. Wenn es uns wirklich vergönnt sein sollte, jetzt Abteilungen Sir Berufsbildung zu schaffen und damit zu vollenden, was bewußt unl< oft auch unbewußt uns geleitet hat, was uns eigentlich immer Sinn unserer Arbeit gewesen ist, so will ich offen sagen, es ist gut daß wir es erst jetzt fein dürfen. Wir mußten zwei- und dreimal den Weg durchlaufen. Sollen dfach unsere Freunde ein Stück bitterer palästinensischer Wirklichkeit von uns Ikrnen! Wir haben langsam überhaupt erst erkennen müssen, daß es ja noch gar keine Schule in Palästina gibt. Bevor wir den neuen Weg gingen, mußten, wir erst Schule werden. Unsere Lehrer sind keine Lehrer, unsere Schüler &eihe Schüler, "wir haben keine Lehrpläne und keine Lehrbücher, wir haben öaeine Lehrordnung und keine Schultradition. Amateurtum, guter Wille unil gar kein Können — allüberall. Und doch glaube ich, wir sind auf dem We?ge, Schule zu werden. Wir bringen Ordnung und Form in unser Leben. Wir geben unseren hauptsächlichsten Lehrfächern feste Methodik und zum. Teil auch Lehrbücher. Besonders auf dem Gebiet der fremden Sprachen Englism, Franzö- «ich, Arabisch und auch für das fakultativ gelehrte Deutsch haben wir wirklich erst die dem hebräischen Kinde entsprechende Methodik geschalllen. Unser Kampf für externe Prüfungen, für die scharfe Kontrolle von draußen und für den Wettbewerb — der Kampf um diese rein technische Maßregel aan trauriges Kapitel palästinensischer Schul- und Kolonisationsgeschichte — hst uns auch in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern ein gttt Stück vorwärts gebracht. Und jetzt haben wir auch die Initiative ergriffm, daß man endlich an die Methodik und Didaktik des hebräischen Unterrichts herangehe. Es ist ja fast grotesk, daß man es erst mehr als 50 Jahre nach der Begründung der hebräischen Schule tut. Die jetzt glücklicherweise harte Kontrolle der Regierung wird viel dabei helfen. Führend sind wir, auf jeden Fdll unter den nicht orthodoxen Schulen, mit unserem seit Jahren still und unauffellig geführten Kampf gegen die Hypertrophie des Neuhebräischen geworden. Zurück zur alten hebräischen Literatur! Mit dem Tenach, das immer in der nauen hebräischen Schule viel gegolten hat, Haggada und auch Halacha, mittelalterliche Poesie und Philosophie. Neben dem Entghettoisieren steht ein zwaites Gebot: verjuden. Man erzieht noch nicht Juden, wenn man hebräisch sprechen lehrt. So lebt vieles in der Schule zusammen, scheinbar unorganisch und doch alles aufs engste zusammengehörig: Entghettoisieren und Verjudtn> tüchtiges Lefrnen und Handarbeit, Disziplin und freie Schulorganisation; ifezu kommt aoeh Turnen und Sport, um die wir schon so lange kämpfen und ün denen wir es doch eigentlich nicht vorwärtsgebracht haben, weil uns Turnhalb und Sportplatz und nach Ernst Simons Weggang die rechten Lehrer fehlen. 181