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Der jüdische Student · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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Auch hier sind wir vielleicht wegbahnend gewesen. Unter dem allgemeinen Widerstand des Landes, verstanden eigentlich nur von den gescheiten Männern des Department o! Education des Government of Palestine, haben wir, vorläufig freilich nur für uns, ein Schulsystem zur Anerkennung gebracht, das nach zehn Schuljahren die allgemeine Bildung mit dem sogenannten Lower Certificate abschließt, danach den Weg für vertiefende Vorbereitung zum. Studium und für Berufsbildung eröffnet. Vielleicht wird es uns jetzt vergönnt sein — das ist der tiefe Sinn der jetzt aufgerollten Frage der Reorganisation des Technikums in Haifa — den Anfang solcher Berufsbildung mit einer Form technischer Bildung zu machen, die ganz nach der praktischen Seite gelenkt werden, dem Lande und vielleicht dem vorderen Orient gut geschulte Arbeitsleiter schenken soll. Hier sollen sich Handarbeit und gute theoretische Bildung zu einem neuen Erziehungsideal verbrüdern. Vielleicht können wir damit die Erziehung tüchtiger Wirtschaftsbeamten verknüpfen. Eine Abteilung für Leiterinnen von Haus- und Gartenwirtschaft muß folgen. Und einmal wollen wir auch an eine landwirtschaftliche Abteilung denken, in höherer Geistigkeit als heute das verdienstliche Mikweh Israel ist, aber andererseits noch stärker innerlich mit der körperlichen Arbeit verbunden, etwa wie, so denke ich es mir wenigstens, das Kefar Hanoar seine Menschen erziehen kann. Solcher Weg wird viel von dem verwirklichen, was wir in diesen harten zehn Jahren immer mehr als die uns vor allem auferlegte Aufgabe erkennen gelernt haben. Da muß an tiefstes von — leider — judischer Wesensart gerührt werden. Ghetto und die kleine Judengasse haben den Juden aus dem Formungsprozeß des harten Konkurrenzkampfes um höchste Arbeitsleistung herausgenommen, ihm fehlt die hundertjährige Tradition tüchtiger Handarbeit. Methodik und Organisation hat er von dem in den Spuren griechischrömischer Welt wandelnden Westen nicht gelernt. Soweit er es gelernt hat, hat er seine Eigenart dafür hingegeben. Methodik und Organisationssinn sind dem Westjuden Erfolg von Assimilation. Es ist die Aufgabe der hebräischen Schule in Palästina, alles dieses nachzuholen. Das ist ein schrecklich schwerer Weg, aber er muß gegangen werden; es geht um Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit, um peinliche Pflichterfüllung und Verantwortlichkeitsgefühl, es geht um volles Können und äußerste Tüchtigkeit, um neuen Arbeitsgeist und verantwortlichen Arbeitssinn, Das Ghetto muß überwunden werden; die hebräische Schule muß ihre Menschen, wie es ja der Sinn aller Palästinaarbeit ist, entghettoisieren. Entghettoisierung ist die Aufgabe der hebräischen Schule Palästinas. Dieser Weg, dieser Leidensweg, der um so vieles kleine und kleinste fanatisch sein heißt, ist immer mehr und mehr der bewußte Weg der Schule geworden. Wehaznea lechet (Micha 6,8) ist der Wahlspruch des Schulwappens. Sie hat den Mut, all die kleinen Tugenden des Alltags zu ihrem Fanatismus zu machen, darum als um ein Lebensideal zu kämpfen, weil sie weiß, daß ohne solche neuen Arbeitsmenschen selbst das hehre Ideal der Chaluziut wirkungslos bleiben wird, daß das jüdische Palästina nicht gebaut werden wird, wenn es nicht einen jüdischen Arbeitsmenschen, nicht nur von neuem Ethos, sondern auch von neuem Können findet. Nach der Chaluziut hakkodesch muß die Chaluziut hachol kommen. 180

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