Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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wir der höheren Schule Palästinas ihren Weg. „Die ungeheure moralsche Tatsache der Chaluziuth", sagten wir, „müsse zur Frage einer netaai Schulorganisation gemacht werden." Wir wollten Handarbeit, Werkstäiitenarbeit für die Knaben, Hausarbeit für die Mädchen, zu mehr als einem Urüerrichtsfach machen, es sollte jungen jüdischen Menschen Liebe zur Anbeit eingepflanzt, erste Arbeitsfertigkeit gegeben werden. Arbeit sollte auch Form des Unterrichts werden, auf jeden Fall in Mathematik und Physik, Naturkunde und Geographie: eine Arbeitsschule mit viel Handarbeit herim. Wir können nicht sagen, wir seien gescheitert. Es ist Ansehnliches von der Arbeitsschule vorhanden und die Handarbeit, besonders der Knabea; obligatorisch bis zur sechsten Klasse, — ich glaube, wir stehen damit gaiz allein in der Welt — hat sich durchgesetzt. Wie schwer ist allein dies gewesen, ohne Vorbilder, ohne Tradition, ohne Lehrer, die wirklich Lehrer waren! Immer und immer wieder muß der Leiter mahnend seine Mitarhaier zum Ideal der Schule, der „Arbeit" führen. Und ganz besonders, wem es sich darum handelt, daß auch die Schwarzarbeit in der Hausreinigung, auf den Schul- und Turnplätzen, in der Anfertigung einfacher Möbel zur Verwirklichung komme. Die höhere Schule entfremdet eben ihre Schüler fast naturnotwandig der praktischen Arbeit. Und die höhere Schule ist eben die Schulform., die der jüdische Mentalität angemessen ist. Ohne das Gymnasium in "Bel-Awiv wäre ein gut Teil bürgerlichen Jischuws der Vorkriegszeit nicht im Lände geblieben. Da liegt viel kleinbürgerliches Streben nach Standessrhöhung vor, aber tief im Grunde leben darin auch altjüdische Ideale von tora llshemah. Und die Geschichte der palästinensischen Kolonisation mit den Führern vor allem der 2. Alijah oder den Bilukoionisten von Chedera und Geüerah hat viel von solcher Theorie in ihrer Richtigkeit werten gelehrt. Und bei uns kommt etwas dazu, das eine Schwäche, vielleicht :&er auch unser Vorzug ist. Chaluzgeist kann vielleicht nur im Begeisterimgsrausch erzeugt werden. Gegen Rausch und Hysterie und das schöne Woitl,, das sie allzu oft nur begleitet, kämpft die Schule als ihren Todfeind: wehaznasa lechet, einfaches, nüchternes, phrasenloses Leben, setzt sie dem als ihr Ideal entgegen. Sie wird noch Jahrzehnte Arbeitsübung zu fester Lebensgewöhnung machen müssen. Anstatt des Begeisterungsrausches muß ein klares Lebeniifeal der Arbeit geschaffen werden. Wir wollen nicht müde werden, um Meischen zu kämpfen, die bei aller Geistigkeit vom Ethos der Handarbeit erüllt sind. Schon heute ist trotz aller ehrlichen Selbstkritik die Handarbeit »ner der starken Werte dieser Schule. Und dann war doch richtig, daß wir einmal Lösung in neu® Schulorganisation suchten. Die höhere Schule Palästinas ist heute nichts als eine Uebersetzung des kontinentalen Vorbilds ins Hebräische. Sie muß in ihrem Oberbau Fachschule werden, zum tätigen Leben vorbereiten, weni^bens den größeren Teil ihrer Schüler, alle die nicht glänzend Begabten. Die -Da-gd nach der Hischtalmut, die jährlich hundert und mehr Abiturienten aus dan Lande führt, muß aufhören. Die höhere Schule muß sich dadurch, daß bb, .nachdem ein Maß allgemeiner Bildung erworben ist, zu Berufen vorbereitet, in sich selbst überwinden. 179