Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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er nie ssn deutsches Technikum eröffnen. Erich Rosenkranz und Georg Witkows'M, durch ihre klare Klugheit untrügliche Berater, wurden mitgezogen. Und duizh Schemarjah Lewin wurde das damals in Berlin residierende Aktionskrmitee mobilisiert. So entstand der Sprachenkampf in Europa. Oft habe ich seitdem gezweifelt, ob es richtig gehandelt war. Ein gut Teil der inneren Demoralisation im palästinensischen Schulwesen stammt von den Zeiten des anglückseligen Schulstreiks. Auch in Haifa gingen die 40—50 Kinder, die ganzaL Hilfsvereinsschule damals, zu den Hebräern über. Chanukkah 1913 wurde in einer kleinen Sephardimsynagoge die „Realschule" eröffnet. Felxniar 1914 kam ich nach Haifa und ging froh und unproblematisch an die Arbsit. Schulbänke hatten wir nicht, so nahmen wir die im Orient zu allem guten Petroleumkisten und legten Bretter über sie. Lehrmittel hatten \dr nicht, die sammelten wir uns eben. Aber es war uns, mir und den 4—5 Lehrern mit mir, unter ihnen der frühere Bundesbruder Tachauer, ganz klar, da$ dies die Realschule sei. Auch unsere Armut war uns Erfüllung dessen, was erst kommen sollte. Und in den wenigen Monaten erfüllten wir viel: Uisere Klassen bekamen Form, unsere Schüler gewöhnten sich daran, selbstvenantwortlich in Gruppen und in Klassen ihre Arbeit zu leisten, Turnen und Schwimmen waren Mittelpunkt der freien Nachmittage, immer Lehrer und SciüTer zusammen, und Tijjulim erregten Gemeinschaftsgeist und erzogen zur Disaplin und Ordnung bei Aufrechterhaltung der freien Leitung der Schüler, — kurz, wir wußten, was wir wollten. Ueber Handarbeit träumten wir freöch nur. Naiiridem Sprachenkampf kam der Weltkrieg. Als ich Oktober 1919 zur Schule zurückkehrte, war nichts mehr da von alter Saat, die Schulgemeinde war vernichtet, rohe Hände hatten eine Schule daraus gemacht, wir waren mechansiert. Zeki harte Jahre waren nötig, daß wir — ich glaube es sagen zu dürfen — heute ehrt wieder anknüpfen können, wo wir 1914 aufgehört hatten. Es sind harte ifchre voll Kampf mit Menschen und Dingen gewesen: die Eltern wollten sich in alles einmischen, der eine die Schule hierin, der andere dorthin ziehan. Lehrer wollten ein Sowjet aus der Schule machen, möglichst alle zusammsi beschließen, und nur der eine, der unglückliche Leiter, sollte ausführen. Haifa selbst war eigentlich nicht stark genug, eine höhere Schule zu tragen. Und jede neue Immigrationswelle eine Gefahr für das, was schon erobert «ar. Das anmaßende Zentralisationsstreben einer Bürokratie, die weder Mittel -roch Erfahrung noch Unabhängigkeit genug hatte, um wirklich zu leiten. Und ü$bt dem allen, nie gebannt, die fürchterliche materielle Sorge: wovon werden wir morgen leben? Wie ganz Palästina haben auch wir mit den Händen den Boden pflügen müssen. Di« zehn Jahre sind nicht umsonst gewesen. Wir haben den Weg zweimal, ja dreimal durchmessen. Als wir nach dem Kriege von neuem begannen, sahen wir den Schutt nicht, den vier Jahre Krieg aus unserem jungen Werk gemaciü hatten. Wir glaubten, es sei unsere alte Schule und fingen an, als sei nidts geschehen, weiterzubauen. Bei der Handarbeit waren wir stehen gebliebem, dort wollten wir fortsetzen. Inzwischen war ja Chaluziuth io Palästina eingebrochen. Das Land war voll von jungen Menschen von höheren und Hmhschulen, die zur Erdarbeit wollten. In diesem Neuformen suchten 178