Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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einmal Menschen einsetzen müßten zu einer einmaligen übermenschlichen Leistung, dann wäre diese Parole vielleicht richtig. Aber der Zionismus ist durchaus nicht die Sache weniger Jahre, sondern seine Verwirklichung braucht eine unglaublich lange und zähe Arbeit, Auf die Dauer lassen sich Menschen, wenn sich Realitäten entgegenstellen, mit der bloßen Fassade nicht dumm machen. Mannheim (Kadimah): Es kann nur eine Entscheidung geben. Die Erkenntnis des klaren, wirklichen Zionismus. Wenn wir uns gegen den Sozialismus und andere Bewegungen durchsetzen wollen, dann müssen auch wir uns bemühen, klare Ideen herauszuarbeiten. Wir müssen bei unserer Politik nicht die Interessen einzelner Individuen, sondern die Interessen des ganzen Volkes in den Vordergrund steilen. Die bisherige Politik war nichts anderes, als die Förderung humanitärer Ideen. Brüll (Hasmonaea): Jede Gruppe (bis auf einen kleinen Teil des Brith Schalom) wünschte eine jüdische Mehrheit, wenn dazu die Möglichkeiten gegeben wären. Aber unrichtig ist es, vom Galuth aus uns jetzt darüber den Kopf zu zerbrechen. Wir haben die Voraussetzungen für einen starken Jischuw und für die Finanzierung der Einwanderung zu schaffen. Die politischen Voraussetzungen sind durch die BalfOurdeklaration gegeben. In all den Zeiten, wo die Opposition zeterte, daß durch die politische Schwierigkeit die Einwanderung gehindert werde, sind Juden eingewandert, so weit die Mittel da waren* Da wir auf Grund des MacDonald-Briefes die Möglichkeit zur freien Einwanderung und zum Bodenkauf haben, können wir das Ziel erreichen, wenn die Tuden selbst es ermöglichen. Es heißt nun, daß wir die Juden, ohne eine große Parole hierfür nicht gewinnen könnten/ Das Gegenteil ist richtig. Auf die Dauer läßt sich eine kritische und vernünftige Jugend nicht gewinnen, wenn man ihr ein praktisch nicht akutes Ziel vor Augen stellt. Man kann Zionismus propagieren, wenn man sagt: Hier ist die Bewegung, die Land schaffen will für die große jüdische Einwanderung. Zionisten sind wir geworden angesichts der Situation des jüdischen Volkes und unserer eigenen Judennot. Und dies wird uns auch immer wieder neue Menschen zuführen für den Aufbau Palästinas und für die Schaffung eines starken Jishuw. Steinberg (Maccabaea): Falsch ist es, eine äußere Macht für unsere Mißerfolge verantwortlich zu machen, und die Verantwortung von uns abzuwälzen. Sowohl Brith Schalom wie der Revisionismus tun das, indem sie der Politik Weizmann's die Schuld geben. Wir Sozialisten betonen immer wieder, daß man nicht jemand verantwortlich machen dürfe, sondern daß wir mit aller Kraft den Zionismus praktisch zu verwirklichen haben. Dazu gehört, daß jeder (gleich welcher Partei) Opfer bringen muß. Das, was wir in Palästina .geschaffen haben, kann uns nicht mehr genommen werden. Natürlich ist ein äußerer Schutz notwendig, aber keine jüdische Legion unter englischer Fahne wie im Weltkrieg, sondern ein organisierter Selbstschutz. Walter Gross (Hasmonaea): Das Wesen des Parlamentarismus besteht darin, die Wahrheit im Wege der Diskussion zu finden. Eine fruchtbare Diskussion auf dem Kongreß ist aber nur dann möglich, wenn er nicht zu unhomogen zusammengesetzt ist, sondern eine starke Mitte da ist. Früher war die Macht der leitenden Idee stärker. Mir erscheint notwendig, gegen den Revisionismus Front zu machen; eine Partei, die gar nicht mehr diskutieren 174