Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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tritt erklärt, dann gibt es außer ihm niemand- Wer Weizmann kennt, weiß, wie fern er dem Programm des Brith Schaiom steht. Was ist an dessen Politik verfehlt? Der Brith Schaiom meint, daß die Verhandlungen mit den Arabern nicht die Baifourdeklaration zur Grundlage haben dürften- Dadurch aber wird unsere Arbeit aufs Spiel gesetzt. Denn daraus folgt die Sinnlosigkeit unserer Arbeit in Palästina im Falle der Nichtanerkennung des Mandats durch die Araber. Die entscheidende Schlacht wird bei den Juden geschlagen. Es sind keine genügenden Mittel zur Kolonisation vorhanden. Hier liegt unsere Schwäche, die nur durch unsere eigene Arbeit zu beheben ist. Das ist das ceterum censeo von Weizmann. Wir dürfen die Araberfrage nicht überschätzen. Wir dürfen zwar den Willen zur Zusammenarbeit nicht vergessen, aber die Möglichkeit zur Verständigung wird sich" erst ergeben, wenn sie einsehen, daß gegen unsere Arbeit nichts zu machen ist. Die dauernde Verkündung der Verständigungsbereitschaft, die nicht Weizmanns Politik ist, führt ab vom Quell des Zionismus. Aehniich liegt es bezüglich der Stellung gegenüber England. Wenn Blumenfeld das zu „schroffe" Verhalten Weizmanns kritisiert, dann ist das ebenso falsch wie die Haltung der Revisionisten. Weizmann hat immer das richtige Maß gehalten. Mißerfolge sind nie zu vermeiden. Es darf aber nicht vergessen werden, daß unser politisches Ziel nicht mehr als die Gewährleistung und Sicherung unserer eigenen Arbeit sein kann. Wir hatten bisher auch jede Freiheit zur Arbeit". Die Beschränkung lag also nicht dort, wo die Revisionisten sie suchen, sondern in unserer Schwäche. * Eng damit ist die Frage der Jewish Agency verbunden. Auf dem vorigen Kongreß war ihre Entstehung akut, jetzt geht es um ihre Ausgestaltung. Unsere Hoffnungen wurden nicht erfüllt, was an den äußeren Faktoren lag, aber großenteils auch an dem Nichtfunktionieren der zionistischen Organisation, die weiter die treibende Kraft sein muß. Wenn sie versagt, ist nichts zu erhoffen. Vielleicht gelingt es auch, den Kongreß zu reorganisieren und ihm sein früheres würdiges Aussehen wieder zu geben durch Abtrennung bestimmter Arbeitsgebiete. Ernst Moses (Kadimah): Man kann verschiedener Meinung sein, ob wir nach außen hm dauernd unsere Majoritätswünsche betonen sollen. Aber innerhalb der Organisation muß man über das Ziel diskutieren. In den letzten Jahren wurde bei uns der Binationale Staat propagiert. Erzählt man Bundesbrüdern, was der Zionismus einmal bedeutete, dann stoßt man auf weitgehendes Mißtrauen. Das ist die Folge der Erziehung durch den offiziellen Zionismus, insbesondere durch die Jüdische Rundschau. Der Zionismus war einmal die Verkörperung des Willens des jüdischen Volkes, teilzunehmen an der Politik der Völker. Er sollte hinausführen in die Freiheit, in ein Land, wo wir nach unseren eigenen Gesetzen leben können. Das ist nur möglich in einem Land, wo wir die Majorität haben. Der Zionismus ist dann verwirklicht, wenn wir in Palästina aus eigener Kraft bestehen können und nicht hinter jedem Arbeiter ein englischer Soldat steht. Nach innen hin fehlen uns die Werbemöglichkeiten. Wir erfassen nur ehemalige Zionisten, eine Jugendbewegung des aligemeinen Zionismus gibt es nicht mehr. Wo steckt denn die große Idee, wo die volksbefreiende Kraft, wenn sich die Aufgaben der Exekutive darin erschöpfen, daß das eingehende 172