Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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schichte, Es ist aber nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß dieses «nur** nicht etwa eine bedauerliche Verarmung oder Verkümmerung bedeutet, die es bloß für die Juden gäbe. Es ist kein „Ersatz", der hier vorgeschlagen wird,, sondern eine völlig normale Funktion. In jedem normalen Volksleben gibt es eine Fülle von Bestrebungen, die auf die Erforschung der Vergangenheit dieses. Volkslebens eingehen, und gerade die geistig Führenden sind dort vielfach auch in diesen Bestrebungen die Wegbereiter. Es ist umgekehrt eine anormale Erscheinung des jüdischen Volkslebens, daß dies bei uns nicht so ist. Es ist kein Gewinn für die zionistische Sache, daß bei Nicht- und Antizionisten die Bestrebungen — mindestens bis vor ganz kurzem — mehr Förderung, erfahren; haben als bei uns. Auf diese Umstände sei heute hingewiesen, da die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland'* in ihren dritten Jahrgang tritt. Ihre Aufgabe kann nur unzureichend erfüllt werden, wenn die jüdische Oeffentlichkeit keinen Anteil an ihr nimmt, und die Aufgabe des K.J.V. — die „Politisierung" der deutschen Juden — kann nur unzureichend erfüllt werden, wenn die geschichtlichen Hintergründe aller Politik nicht ihr natürlicher Nährboden bleiben. Für deutsche Rechtsanwälte, Aerzte, Richter, Beamte, Offiziere ist die Förderung lokalhistorischer Interessen eine vielfach erfüllte Ehrenpflicht. Aber nicht mehr als dies, denn der kulturelle deutsche Besitzstand ist auch in seiner letzten Wurzel, dem persönlichen Patriotismus, der vielfach an Heimatliebe gebunden ist, für unvorstellbar lange Zeiten gesichert. - Aber für die deutschen Juden handelt es sich darum, der völligen jüdischen Wurzellosigkeit zu entgehen. Für sie wäre das gleiche keine Ehrenpflicht, sondern eine Lebensnotwendigkeit.' An einer neuzugewinnenden „Wesenhaftigkeit" (Blumenfeld) unserer Gegenwart und unsere Zukunftswünsche hängen mit dem gesamten deutschen Judentum auch der deutsche Zionismus und das ICJ.V* In beträchtlichem Umfang ist die schwerste aller K.J.V.er-Probieme, die Alt* Herren-Frage, nur durch die Erneuerung der Berührung mit der jüdischen Vergangenheit möglich. Die K.J.V.er müßten die natürlichen Träger der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" sein. Wenn sie es nicht werden können, so werden alle diejenigen unter ihnen, die nicht Palästina „in ihr Lebensprogramm aufnehmen können" — und wieviele könnten das? — weiterhin ratlos vor den verschlossenen Türen des Judentums stehen bleiben. Auch der beste „Keilerfolg", auch die Vervielfachung der „Chaluzim" könntendiese Tatsache nur zeitweise in ihren Wirkungen weniger fühlbar, aber nicht auch ungefährlicher machen. Die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" ist kein Volksbuch, das „in jede jüdische Familie" gehört. Aber sie müßte doch in den zahlreichen jüdischen Häusern manchmal zu finden sein* wo historische Interessen gelegentlich gepflegt werden und Friedeil, Hegemann, Ludwig und van Loon ihre Freunde finden. Nicht alle Laien werden jeden. Beitrag dieser Zeitschrift genießbar finden, aber für den geistig Lebendigen wird kein einziges Heft wirklich gar nichts bringen. Die Zeitschrift, die ihrer Bestimmung nach „vieles", also „allen etwas bringt", wird für manchen, der den „Dubnow" oder das „Jüdische Lexikon" besitzt, diesen Besitz erst lebendig machen, indem es ihn veranlaßt, sich dort über , dies oder das, was er ux 170