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Der jüdische Student · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Aber diese KJ.V.er sollten diese Tatsache zum Anlaß nennen, um mit ganzer Energie jüdische Geschichte zu treiben. Die judische Geschichte ist eine wichtige Brücke zwischen den Judentum der Vergangenheit und dem der Zukunft. Ihr Studium ist für die meisten viel leichter als das Studium derhebräischen Sprache. Es gibt keinen unter uns, der nicht von Studiums und Berufs wegen .genötigt gewesen wäre, sich durch allerlei wissenschaftliche Iifteratur von mehr oder minder lederner Sachlichkeit durchzubeißen Es gibt feinen unter uns, der das nicht zuwegebrächte. Die historische Literatur, seiist die vom schwersten Kaliber, ist immer noch viel leichter zu verstehen, hat außerordentlich viel weniger Fachausdrücke als die Handbücher der Hechts-, der Heil- und der Wirtschaftswissenschaften. Erst recht gilt dies von derjenigen "Geschichtsliteratur, die als die „künstlerische" bezeichnet wird undz. T. gerade für die Laien geschrieben ist. Nun ist — das ist zuzugeben — für iäe jüdische Geschichte in dieser Hinsicht schlecht gesorgt. Aber es gibt doch heute den „Dubno-w" und gab seit Jahrzehnten den großen und kleinen „Grätz". Es ist wirklich nicht einzusehen, warum man nicht für Stunden dem Wassermann oder Emil Ludwig aus der Hand legen und sich einer wohl schwierigeren, -aber keineswegs schwierigen Lektüre widmen sollte. Seit der „Eubnow" erschienen ist, ist das ja auch in größerem Umfang geschehen Es wird hier ja keine neue oder "ganz unbeachtet gebliebene Forderung aufgestellt. Nur eine über Gebühr in Vergessenheit geratene, mindestens nicht genug beamtete Forderung soll wieder einmal geltend gemacht werden. Durch die Erfüllung dieser Forderung wird man nichts anderes tun, als was einem gewissen Teil der christlich-deutschen Akademikerszhaft ganz selbstverständlich ist. Von ihr werden im wesentlichen jene zahlreichen „Altertums- und Geschichtsvereine" unterhalten, die mit ihren periodischen Publikationen zumeist auf Jahrzehnte, bis zu einem vollen Jahrhundert, zurückblicken können. Gewiß sind ihre wissenschaftlichen Leistungen manchmal unbedeutend, aber sie sind in diesem biedermeierlichen Mittelmaß ein höchst wertvolles Organ zur Weitervererbung einer undoktrinären und unpolitischen und eben darum unabhängigen nationalen Tradition. Man versucht Ikeute auch bei den deutschen Juden wieder durch Gründung jüdischer Museen und Museumsvereine etwas ähnliches zu schaffen, und man hatte früher in den zumeist entschlafenen „Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur" diesem kulturellen nobile officium, das so wenig Opfer kostet, Rechnung getragen. Es ist eine Folge des jüdischen Kulturverfalls im 19. Jahrhundert,, daß die indischen Versuche in dieser Richtung weit weniger Erfolg hatten als die christlich-deutschen. Das hing mit dem Verfall des jüdischen Natiaialgefühls zusammen und war mehr oder minder unabänderlich. Viel bedenklicher ist der Umstand, daß mit dem Erwachen des Nationalgefühls sich kann etwas an diesen Tatsachen geändert hat, und daß Zionisten und K.J.V.er auih an den gegenwärtig erneuerten Versuchen nur in geringem Maße beteiligt snd. Für jenen Großteil des K.J.V., der keine lebendige Beziehung zur jüdischen Zukunft durch das Hebräisch-Studium gewinnen kann, gibt es — außer alljüdischer Religiosität, die den wenigsten erhalten geblieben ist — keinen anieren Zugang zum Wesen des Judentums als die Beschäftigung mit der jüdismen Ge- 169

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