Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gleiten, und dennoch wird sie in demütigem Stolz für jeden Schmerzensschritt danken, der sie dem Lichte entgegenführt. Nicht Furcht und nicht Hoffnung sind die treibenden Gewalten. Nicht das verständige Streben nach mechanischem Gleichgewicht, nicht Güte und selbst nicht Gerechtigkeit, sondern Glaube, der aus Liebe entspringt, tiefste Not und Gottes Wille. * Revisionismus heißt Rückschau Von r. straus. Manche von Euch sind große Hebräer an Sprachkenntnissen, andere dürfen, sich nur zur hebräischen Halbwelt zählen, aber nur ganz wenige — Statistiken werden taktvoll vermieden— verharren im seligen Zustand der Am-haarez. Die schon fast selbstverständliche Idealforschung, daß jeder sieb des Hebräischen befleißige, steht in einem seltsamen Verhältnis zu einer anderen, mir personlich sehr am Herzen liegenden Forderung, daß man sich in die jüdische Geschichte vertiefe und dadurch die jüdische Gegenwart und deren hoffentlich zionistische künftige Fortsetzung verstehen lerne. Dieses Verhältnis läßt sich folgendermaßen näher bestimmen: die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte stand immer in unserem Programm, steht auch heute darin, blieb aber vielfach neben oder hinter manchem anderen stecken und hatte niemals das Glück, an eine wirklich bevorzugte Stellung unserer Interessen zu rücken» Mit dem Hebräischen ist es seit der Balfour-Deklaration, merklicher seit etwa 10 Jahren, anders gegangen. Man begann damals die Forderung des Hebräisch-Lernens jedem Einzelnen aufzuerlegen, und versuchte von Zeit zu Zeit, aber mit zeitgemäß geringem Erfolg, diese Forderung einzutreiben. Nur bei wenigen hatte diese Forderung wirklich großen und beglückenden Erfolg. Die Provenienz der Hebräisch-Forderung aus der Balfour-Erklärung zeigt ihren politischen Charakter aufs deutlichste an. Der politische Auftrieb, der nach dem Kriege eintrat, erweckte in vielen die Hoffnung, in anderen die Aussicht, für wieder andere die effektiv praktische Möglichkeit, in Palästina selbst das Hebräische als Tageswirklichkeit mitzuerleben. Neben solchen „politischen Hebraisten" stehen — und standen schon viel früher — „kulturelle Hebraisten \ das sind solche, die nicht um der jüdischen Zukunft willen die Sprache Palästinas, sondern um des Verständnisses der Vergangenheit und Gegenwart (und damit indirekt der Zukunft) willen die Sprache der jüdischen Geisteskultur erlernten. Wer diese „Kulturkebraisten" und jene „politischen Hebraisten" kennt, der weiß, daß diese scheinbare Gleichartigkeit des Handelns keine Uniform, sondern eine schöne Vielgestaltigkeit bedeutet. Innerhalb dieser Lebendigkeit verharrt der Großteil des K.J.V. in einer verlegenen Unruhe, nämlich alle diejenigen, denen der natürliche Zugang zum „Kulturhebraismus" fehlt und die mangels der Erwartung, je mit dem lebendigen Palästina in Verbindung zu kommen, in Richtung des „politischen Hebraismus" keinen Antrieb besitzen. Für diesen Großteil ist und bleibt vorerst das Hebräisch-Lernen eine „romantische" Sache, wie dies kürzlich Bbr. Krojanker in der „Jüdischen Rundschau" mit Recht hervorgehoben hat. 168