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Der jüdische Student · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Der heute in der Tagespolitik bestehende Gegensatz zwischen Kommunismus und Zionismus wird kein ewiger sein. Der Zionismus als Gesamtbewegung des jüdischen Volkes kennt keinen prinzipiellen Gegensatz zum Kommunismus. Soweit ihm der Kampf aufgezwungen ist, hat er ihn zu führen; aber wir haben das vollste Vertrauen zu unseren Führern, daß sie im Bewußtsein ihrer Verantwortung die prinzipielle Neutralität dem Kommunismus gegenüber wahren, wie sie sie gegen jede andere Bewegung, die nicht jüdische Lebensinteressen bedroht, wahren müssen. Uns bleibt heute nur übrig, den jüdischen Aufbau in Palästina mit allen Kräften zu beschleunigen- Haben wir einmal eine feste Position in Palästina, haben wir die nationale Freiheit, nach der das Judentum seit zweitausend Jahren verlangt, dann können wir den Kampf um den Neubau unserer Gesellschaft frei von allen Bindungen führen. Ueber alle Gegensätze der Tagespolitik hinweg fühlen sich die Sozialisten in unseren Reihen mit dem Schicksal, des unterdrückten Proletariats aller Länder auf Gedeih und Verderb verbunden. Im Kampf gegen Unterdrückung und Reaktion, im Kampf für den Sozialismus und für nationale Freiheit werden sich die Kräfte, die heute gegeneinänderstehen, einmal zusammenfinden. * Entgegnung Der Kernpunkt des vorigen Aufsatzes ist die Auffassung, daß der Klassenkampf das Entscheidende am Sozialismus sei. Welche Verirrung: Nicht einmal in Europa gilt das zur Zeit; die derzeitige Wirtschaftskrise haben die meisten Probleme als gemeinsame Wirtschaftsprobleme erscheinen lassen, sie spielen eine weit größere Rolle als der Klassenkampf. Die Verdienste der Arbeiterpartei im Zionismus sind fast " - überall anerkannt, aber eines ihrer Hauptverdienste ist m. E., daß sie nicht durch einen dogmatischen Sozialismus den Klassenkampf in den Zionismus hineingetragen hat. Einem dogmatischen Sozialismus, der die Ambition erhebt, eine dem Zionismus gleichwertige oder auch nur ihn ergänzende Weltanschauung zu sein, gilt unser schärfster Kampf. Sozialismus als Weltanschauung bleibt eine Assimilation an eine seichte unnationale Umwelt. Das Wesentliche, was als Entgegnung auf die vorstehenden Ausführungen zu sagen ist, scheint mir in prägnantester Form in den folgenden Zeilen aus dem Buch: „Von kommenden Dingen", von Walter Rathenau enthalten zu sein. Walter Katschke. Der dogmatische Sozialismus erwächst aus materiellem Willen; in seinem Mittelpunkt steht die Teilung irdischer Güter, sein Ziel ist eine staatlichwirtschaftliche Ordnung. Mag er heute bestrebt sein, aus anderen Weltauffassungen fremde Ideale herbeizuholen, so ist er doch nicht aus ihrem Geiste geboren; er bedarf ihrer nicht, ja sie müssen ihn stören, denn sein Weg führt von der Erde zur Erde, sein tiefster Glaube ist Empörung, seine stärkste Kraft ist gemeinsamer Haß, und seine letzte Hoffnung ist irdisches Wohlbefinden. 166

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