Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Durch die kommunistische Agitation in Palästina ist nur die Aufhetzung der arabischen Fellachen gegen die Juden erreicht worden; von eiiem Gegensatz der Araber zu England ist sehr wenig zu spüren. Die arabischen Führer haben auch kaum Veranlassung, wirklhfe energisch gegen England aufzutreten. Es wäre naiv anzunehmen, daß sie irne Stellung zu England aus nationalen Motiven bestimmen lassen. Worauf eas ihnen ankommt, ist die Aufrechterhaltung ihrer wirtschaftlichen Position, <fe höchstens durch das Eindringen neuer Wirtschaftsmethoden erschüttert werifen konnte. Diese würden sie zu einer Umstellung zwingen, zu einer Aufgabe irrer für sie so bequemen rückständigen Wirtschaftsformen, diese würden vor allem den gefürchteten Klassenkampf zur Realität werden lasseh. Nun hat England bis heute kaum eigene kolonisatorische Interessen in Palästina; von dieser Seite brauchen sie also nichts zu befürchten. Ganz anders ist es mit den Juden. Durch ihr bloßes Dasein an Palästina stellen sie eine ständige Bedrohung der Vormachtstellung der heulten arabischen Führerschaft dar. Daher der scharfe Kampf gegen den Zionknus, daher deren konziliante Stellung zu England. Die Führer der kommunistischen Bewegung treiben in Palästina also eine falsche Politik. Ihre falsche Propaganda ist kaum geeignet, dort eines Klassenkampf zu entfesseln, eher ihn auf lange Sicht unmöglich zu machen. Die einzigen, die ein Interesse daran haben, Palästina wirtscraiHich und geistig zu entwickeln, sind tatsächlich die Zionisten. Sie sind die einagen, die im nahen Osten eine moderne Wirtschaft und damit die Voraussetzung seiner ökonomischen Befreiung schaffen können und wollen. Vielleicht wird die kommunistische Bewegung einmal, von den Tatsachen gezwungen, ihiaeStellungnahme zum jüdischen Aufbau in Palästina ändern Der Zionismus und auch der sozialistische Zionismus hat keke Veran- . lassung, aus dogmatischen Gründen eine Politik mitzumachen, die sowohl vom sozialistischen Standpunkt aus falsch ist, als auch den vitalsten jüdischen Interessen entgegen steht. Wenn uns der offizielle kommunistische lairs jetzt bekämpft, so müssen wir den Kampf aufnehmen. Wir können dies mit ruhigem Gewissen und mit der Energie und inneren Sicherheit tun, die uns des sichere Bewußtsein, gegen keinerlei berechtigte Interessen zu verstoßen, v«£eiht, — Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es, als ob noch eine Reihe anderer Spannungsmomente zwischen Zionismus und Kommunismus bestehen. Si Wirklichkeit sind dies mehr nationale Gegensätze zwischen Russen und Jiden. Es erscheint den Russen bedrohlich, eine große Anzahl von Menschen in ihrer Mitte zu haben, die sich einmal national nach Palästina orientieren könnten. In diesem Zusammenhang sind auch die assimilatorischen Bestrebungen einer großen Reihe von Juden in der kommunistischen Führerschaft von Badeutung. Wenn das natürlich auch nicht zugegeben wird, so sind die rigorosen Verfolgungen der Zionisten in Rußland allein aus weltpolitischen Metischen Gründen zu erklären. Ohne Zweifel spielen hier die alten Gegensätze der jüdischen Parteien aus dem Vorkriegsrußland eine unheilvolle Rolle. Unbeschadet seiner sozialistischen Anschauung kämpft der sozialistische Zionist gegen jede Assimilation, auch gegen die Assimilation in der sozialistischen Form. 165