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Der jüdische Student · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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es 'um die Interessen des Proletariats geht, werden die zionistischen Sozialisten diese Solidarität stets praktisch betätigen. Es bedarf aber weiter keiner ethischen oder moralischen Begründung, wenn die Juden auch ihre eigenen, vitalen Interessen wahrnehmen. Sie sind berechtigt, von den anderen Berücksichtigung ihrer exzeptionellen Lage zu fordern, — und jedenfalls müssen sie selbst für ihre Zukunft kämpfen- Der Aufbau Palästinas ist eine Aufgabe, die uns, der heute lebenden Generation gestellt ist- Die Erfüllung dieser Aufgabe muß unter Ausnutzung aller Möglichkeiten mit größter Beschleunigung und Intensität von uns geleistet werden. Wir konen nicht wissen, wann sich für uns günstige Konstellationen wiederholen werden; wir müssen mit den Konstellationen rechnen, die wir vorfinden. Da das bürgerliche England praktisch die Macht in Palästina hat, müssen wir mit diesem England bei dem Aufbau des Nationalheims rechnen- Das bedeutet weder ein Zusammengehen mit England in allen Fragen der inneren und äußeren Politik, noch verlangt England von uns dieses Zusammengehen. — Der Kommunismus steht in einer scharfen Kampfstellung zu England; aber diese Kampfstellung ist fast ebensosehr durch nationale wirtschaftliche Gegensätze Rußlands zu England wie durch sozialistische Gründe des Klassenkampfes bedingt. Das sozialistische Prinzip hindert Rußland z. B. nicht, sehr feste und innige Beziehungen zu der faschistisch regierten Türkei zu pflegen. Niemand wird Rußland einen Vorwurf daraus machen. Es liegen eben zwingende politische Gründe vor, die Rußland keinen anderen Ausweg lassen. Ebenso zwingende Gründe sind es, die unser Zusammengehen mit England bei der Lösung der Judenfrage gebieterisch verlangen. Schwieriger und wichtiger ist in diesem Zusammenhang das Araberproblem. Das nationale Erwachen der unterdrückten Kolonialvölker ist ein wichtiger Schritt zu ihrer Befreiung aus ökonomischen Fesseln. Der Zionismus und besonders der sozialistisch orientierte Zionismus ist der natürliche Freund jeder echten nationalen Freiheitsbewegung. Er stellt selbst eine wichtige Etappe in der Befreiung der Völker dar. Darüber hinaus ist natürlich das wachsende Nationalbewußtsein der Kolonialvölker geeignet, den bürgerlichen Mächten große wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten zu bereiten. Selbstverständlich kann der Sozialismus •nicht darauf verzichten, diese entscheidende Chance im Klassenkampf wahrzunehmen. Es ist aber gerade vom sozialistischen Standpunkte aus falsch, diese Begriffe allzu schematisch aufzufassen. Gerade die Lage in den arabischen Ländern und besonders in Palästina erfordert eine gesonderte Betrachtung und Behandiungsweise. Infolge der jahrhundertelangen Unterdrückung durch das feudalistische System befindet sich der Großteil der arabischen Bevölkerung Palästinas — die Fellachen — auf einem erschreckend tiefen wirtschaftlichen und geistigen Niveau, Seine Unterdrücker sind gleichzeitig seine Führer. Darum mußte der kommunistische Versuch einer revolutionären Beeinflussung der Araber gegen England scheitern und wird noch für eine sehr lange Zeit mißlingen. Es fehlt eben die unerläßliche Voraussetzung einer gewissen Entwicklungsstufe der Wirtschaft und damit des geistigen Horizontes. 164

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