Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir Revisionisten werden für intensive Kolonisation, für Förderung der Privatbäiative in Stadt und Land, für Beseitigung der gefährlichen Pumpwirtschaft Sex Fonds eintreten. Unsere wirtschaftlichen Ideen sind weder faschistisch noch antisozialistisch, Sie sinf nur kolonisatorisch. Die Arbeiterschaft konnte, wenn sie vernünftig geführt würde, mit dem Revisionismus durchaus friedlich kooperieren. Dali dies nicht geschehen wird, liegt an dem Herrschaftsanspruch der „Linken*. Sie wollen, daß alles, was geschieht, durch sie und für sie geschieht. Aber iks kann nicht sein, weil der Aufbau Palästinas heute mehr als je die Fördeiang der Mittelstands-Kolonisation verlangt, und weil die bisherigen Methoden nicht mehr ausbaufähig sind. In diesem Konflikt wird der Revisionismus zweifellos den größten Teil des Kongresses hinter sich haben. Niemand ist gegen die Arbeiter — aber die meisten Zionisten begreifen, daß cwrtschaftlich neue Wege beschritten werden müssen, auch wenn die Histadüoth sich dagegen sträubt. HL Da politischen Forderungen des Revisionismus haben sich soweit durchgesetzt, daß sie nur noch einer Formulierung durch diesen Kongreß bedürfen. Es miiB — wegen der völlig verfahrenen politischen Situation, vor aUem aber wegen der Zionisten selbst — klar gesagt werden, was der Zionismus ist und was er erstrebt. Die Debatte über die „Zielsetzung" ist nicht von uns herbeigeführt worden. Aber nach allem, was in diesen Jahren geschah, ist sie unvermeidlich geworden. Jfcuch in dieser Frage und bei der Formulierung unserer künftigen Politik dürfte sich eine Mehrheit für den revisionistischen Standpunkt ergeben. IV. Mm ersieht aus dieser Prognose, daß der Zionismus mit dem Rücktritt Dr. Weiznsmns vor die Aufgabe einer wirklichen Erneuerung auf allen Gebieten — organisatorisch, ökonomisch und politisch — gestellt wird. Man ersieht daraus auch, daß ich dem Revisionismus die Führerrolle bei der Neuordnung der Bewegung zumesse. ~~Dar deutsche Zionismus ist in seiner Erkenntnis der Lage noch nicht soweit. Das haben die Wahlen bewiesen, die uns zwar einen schönen Fortschritt brachten, aber aufs neue bestätigten, daß in Deutschland politische Einsichten schwerer zu verbreiten sind, als in irgend einem anderen Lande. So wird daam der deutsche Zionismus auf diesem Kongreß auch nicht die geringste Rolle fielen. Die Anhänger Weizmanns und des Brith Schalom werden vereinsamt und traurig einherwandeln. Wo es um Wirtschaft und Politik geht, werden sie sich den Sprüchen der Arbeiterparteien beugen. Die geistige Führung das Kongresses geht auf den Revisionismus über. Es wird harte Kämpfe geben, vielleicht werden Amerikaner, Misrachi, die „allgemeinen* Zionisten anderer Länder in dem Spiel der Kräfte bald nach dieser, bald nach jener Seite neigen — aber der Revisionismus wird diesmal jedenfalls die erste Chancae haben, sich durchzusetzen und die Bewegung mitzureißen- Dann, ist Erneuaning und Aufbau möglich. Geht diese Chance verloren — so wird die Zionistische Organisation in ihrer bisherigen Gestalt nicht mehr existenzfähig sein. 158