Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537820-3537823--7952-3546002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lieber Bundesbruder! Es geht nicht an, daß, wie bisher, das Kartell an die Bundesbrüder immer nur einseitig materielle oder ideelle Forderungen stellt, vielmehr muß auch das Kartell den Bundesbrüdern alles geben, was von einem Bund wie dem unsrigen gegeben werden kann. Die Ausdehnung, die das Kartell in letzter Zeit erfahren hat, die Schwierigkeiten in der Neugestaltung jüdischer Problemstellung und nicht zuletzt die schweren wirtschaftlichen Kämpfe, in die jeder Einzelne von uns sich hineingestellt sieht, haben dazu beigetragen, daß die ältere Generation dem Kartell entwachsen ist, und daß das personliche Füreinanderstehen in den Hintergrund trat. Das Kartell will aber gerade seine Aufgabe darin sehen, daß jeder Einzelne von uns sich mit allen seinen Sorgen und nicht nur in Tendenzfragen im K. J.V. zuhause fühlt. Ich habe es im Rahmen dieser Bestrebungen unternommen, mach mit den Aerzten, die in Berlin leben* in Verbindung zu setzen, um zu erfahren, was durch eine engere Zusammenarbeit der Berliner Aerzte, die im K.J.V. sind, in dieser Richtung getan werden kann. Ich bemerke, daß unter anderen Berufsgattungen, z. B. bei den Juristen, eine gleiche Aktion im Gange ist. Es handelt sich nicht uin eine Stellenvermittlung, sondern um die Frage, was jeder von uns in seinem Berufs- und Wirtschaftsleben vom K.J.V. erwartet und was man ihm etwa bieten kann. Nach dieser Richtung sind bereits einige Vorschläge gemacht worden. Darf ich bitten, mir mitzuteilen, ob nach Eurer Meinung unsere hiesigen Bundesbrüder, welche Aerzte sind, einander näherzubringen sind? Glaubst Du, daß ein Bedürfnis in dieser Richtung besteht? Hast Du selbst irgendwelche Vorschläge oder Wünsche, mit denen Du mir behilflich sein konntest? Würdest Du Dich an einer Zusammen» kunft beteiligen, auf der wir unsere hiesigen Bundesbrüder, die gleichzeitig unsere Berufskollegen sind, per» sönlich kennenlernen würden? Ueber alle diese Fragen hoffe ich, von Dir in nächster Zeit etwas zu hören; am besten setzest Du Dich durch telephonischen Anruf mit mir in Verbindung (Lützow 6490, 8—9 Uhr vormittags). Was für ein Abend würde Dir am besten in der Woche für eine Zusammenkunft mit uns passen? In folgendem mochte ich Dir bereits einige Aeußerungen, die ich im persönlichen Gespräch mit Bundesbrüdern bereits erhalten habe, mitteilen, damit Du siehst, wir haben uns das Ganze etwa so gedacht: Herausgabe einer Liste aller Berliner K.J.V.-Aerzte, Gruppierung derselben auch nach Stadtteilen, in denen sie wohnen und nach Fachkenntnissen. Etwaige Gründung einer gemeinsamen Privatklinik. Benennung von Bundesbrüdern, die bereit sind, das ganze Jahr Vertretungen zu übernehmen, so daß nach Möglichkeit derselbe Arzt auch zu bestimmten, von ihm zu wählenden Zeiten weiß, daß er stets denselben Vertreter hat. Telephonische Beratung in einschlägigen Fachfragen. Zuweisungen von Begutachtungen an Fachkollegen. Zuweisungen von Patienten an Kollegen in bestimmten Stadtteilen» Enge Fühlungnahme mit denjenigen Bundesbrüdern, die in Krankenhäusern Ober- oder Assistenzärzte sind. Fühlungnahme mit Bundesbrüdern aus der pharmazeutischen Industrie und mit solchen, die in ärztlichen 124