Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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vor Weitschweifigkeit. Allerdings hat solch eine Propoganda Bildung, politische und gesellschaftliche liebersieht, Takt und Menschenkenntnis zur Voraussetzung! Paderewski und Sienkiewiez trieben seit Kriegsausbruch sehr erfolgreiche Propaganda für Polen — der Künstler und der Schriftsteller gewannen die weitesten Kreise; Siehkiewicz war durch sein „Quo vadis" sehr bekannt geworden, und damit gewann er die schon ihm gewonnenen Menschen . . . Und noch auf eines will ich aufmerksam machen: Propaganda muß redlich sein (von mir gesperrt! H. St.). Uebertreibungen und gar Lügen nützen nicht; auch bei uns fanden sich Einzelpersonen, die die ganze Politik als die Kunst, die Leute anzuschmieren, auffaßten und versuchten, „vaterlandische" Unwahrheiten zu verbreiten; das stellten wir ihnen ab. Nachrichten werden doch kontrolliert, und unsere Feinde benützten das gegen uns .... Auch eine andere Regel will ich erwähnen; es ist ein Irrtum, zu glauben, der Propagator müsse alles Eigene loben; das machen durchschnittliche Handelsagenten. Vernünftige und redliche Politik — vernünftige und redliche Propaganda! Heinrich Strauß (Hamburg). Apologetik und Polemik im Zionismus. „Apologetik und Polemik", diese leiden klassischen Begriffe, wobei wir Apologie im guten Sinne verstanden wissen mochten, waren, auf den Zionismus angewandt, der Kern einer Arbeitsgemeinschaft während des W.S. unter Leitung von Bbr. Rudolf Crüneberg. Unter Apologetik verstanden wir, in allgemeinster Form, die Verteidigung und Deutung der zionistischen Ideologie, unter Polemik <fen Kampf, den wir mit unserer Ideologie gegen Andersdenkende und Gegner zu fuhren haben. Es erübrigt sich, auszuführen, daß beide Begriffe notwendigerweise organisch ineinander übergehen, daß unverwischbare Grenzen zwischen ihnen nicht bestehen, denn. jede Offensive ist auch stets eine Defensive. Unter diesem apologetisch-polemischen Gesichtspunkt wurde die Arbeitsgemeinschaft durch mannigfache Referate verschiedensten zionistischen und lebensanschaulichen Inhalts gestaltet, durch sich daran anschließende Diskussionen belebt. Zionistische Polemik treiben wir in engerem Sinne gegen die organisierten Vertretungen des Assimilationsgedankens, den C.V. bzw. gegen den K.C: Der erste Abend stand unter diesem Zeichen; einer eingehenden Analysierung der K.C.-Paragraphen folgten in Art des Debating Club die ablehnenden zionistischen Argumente« Zur ideologischen Beweisführung zogen wir unter vielen anderen auch Martin Buber heran.' Interessant war die Erklärung der Begriffe von Volk, Staat, Nation, eine im Zionismus in letzter Zeit etwas vernachlässigte Materie, zunächst auf juristischer Basis, dann, dazu parallelgeschaltet, gestützt auf Buber und Klatzkin. Zu Klatzkins „Krisis und Entscheidung" wurde eingehend in verschiedenster Art Stellung genommen, leider fehlte es uns an einem ausgesprochenen Revisionisten. Daran anschließend wurde die Frage brennend der jeweiligen Staatsbürgerschaft eines Zionisten. Auf dem für dieses Problem angesetzten sog. .Staatsbürgerabend standen als Extreme die Meinungen des sich völlig vom öffentlichen Leben zurückziehenden und nur Palästina lebenden Zionisten gegen die der eisernen Verpflichtung an jeg- 120