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Der jüdische Student · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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in ganz guten Verhältnissen. Die meisten leisten sich regelmäßig ihre Erholungsreise, manche sogar mehrere Male im Jahr, und legen dabei nicht gerade Wert darauf, sich etwas abgehen zu lassen. Warum sollte also gerade auf einer Palästinareise außergewöhnliche Sparsamkeit geübt werden? Es ist nichts dagegen einzuwenden, daß die Ueb er fahrtkosten, deren Anteil unverhältnismäßig ins Gewicht fällt, eingeschränkt werden; aber die Ausgaben im Lande selbst sollten reichlich bemessen werden. Bei dieser Forderung denke ich nicht so sehr an den personlichen Vorteil, daß eine gewisse äußere Behaglichkeit die Empfänglichkeit des Reisenden wesentlich erhöht, sondern lasse mich vielmehr durch ein gemeinwirtschaftliches Moment leiten. Unzweifelhaft gebührt dem Fremdenverkehr ein sehr wichtiger Platz in der ökonomischen Struktur Palästinas. Die außerordentliche und vielseitige Anziehungskraft dieses einzigartigen Landes müßte es zum Touristenziel par excellence machen und ihm dadurch eine wichtige, ständig fließende Einnahmequelle sichern. Vollends der zionistische Besucher sollte, im Bewußtsein seiner erhöhten Verpflichtung und Verbundenheit, willig dazu beitragen, die unzulängliche Wirt- - schaftskraft seines Heimatlandes durch erhöhte Ausgaben zu stärken — anstatt seine Lebensführung unter das ihm gewohnte Maß auf das Niveau eines wandernden Handwerksburschen herunterzudrücken. Die Ausgaben, tlie Hotels, Reisebüros usw. zufließen, kommen in den Kreislauf der Wirtschaft hinein und tragen dazu bei, sie zu speisen. Die Mehrausgabe sollte der Tourist als eine Steuer ansehen, die ebenso berechtigt ist wie jede andere Besteuerung. Er sollte sich auch bemühen, möglichst viele Einkäufe im Lande zu machen. Dadurch nützt er nicht nur dem Handel, sondern fördert auch die Fremdenindustrie, deren'Leistungen im allgemeinen das ehemals unzulängliche Qualität»- niveau überwunden haben. Die oft unangebrachte Sparsamkeit unseres jüdischen Reisepubiikums ist mit schuld daran, daß unsere Fremdenindustrie, die zu einer wichtigen ökonomischen Funktion berufen ist, nicht aus ihrer schwierigen Lage herauskommt. Der Aufenthalt in Palästina sollte von der Devise beherrscht werden, möglichst viel Geld im Lande zu lassen. Auch aus dieser nationalwirtschaftlichen Einstellung heraus sollte daher die systematische Ausnutzung der bundesbrüderlichen Gastfreundschaft verworfen werden, womit natürlich nicht gesagt ist, daß wir uns die Freude versagen werden, sie in geeigneten Fällen gern und reichlich zu üben. Ich gehe noch weiter und möchte die Aufgabe der Besucher nicht darin erfüllt sehen, daß sie, einige Wochen hindurch, Konsumenten Palästinas sind und ihr Scherflein zur Hebung des wirtschaftlichen Umsatzes beitragen. Vielmehr sollte diese Gelegenheit einer intensiveren Berührung den Anstoß dazu geben, daß sie sich für dauernd nicht nur ideell, sondern auch materiell in Palästina verankern. Wem es ernst ist um unser Aufbauwerk, der muß sich sein Lebenlang als sein Schuldner betrachten. Er darf aber nicht glauben, daß er mit seinen Spenden für die nationalen Fonds und ähnliche Zwecke seiner Verpflichtung Genüge getan hat. Was auf diesem Wege zufließt, gelangt nur in großer Verdünnung in die Kanäle unserer Wirtschaft und macht nur einen Bruchteil dessen aus, was deren Organismus zu seiner Erhaltung und Entwicklung braucht. Vielmehr sind es vornehmlich die Quellen der Privatinitiative, die das ökonomische Leben befruchten und einer wachsenden Bevölkerungsmenge Existenzmöglichkeiten gewähren. Dieser Kapitalzufluß ist 113

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