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Der jüdische Student · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Es kann hier im Rahmen einer kurzen Besprechung nicht der Inhalt der folgenden Kapitel wiedergegeben werden, zumal da es sich im wesentlichen um die Darstellung bekannterer Vorgange handelt. Von großem Interesse ist das Kapitel „Palästina vor der Friedenskonferenz", das viele Dinge von allgemein-politischem Interesse bringt» So ist besonders interessant, was über das Schicksal Wilsons auf der Friedenskonferenz gesagt wird. Sehr wichtig und im allgemeinen wohl noch unbekannt ist, daß Wilson auf jener Geheimkonferenz der „Big föur" am 20, März 1919, entgegen der bisher herrschenden Ansicht, die während des Krieges geschlossenen Geheimverträge schon gekannt hat. Das ist natürlich von großer Bedeutung für die Beurteilung der Persönlichkeit Wilsons. Es würde sich sehr lohnen, auf Grund der angegebenen Materialien dieser Frage näher nachzugehen.; Die letzten Kapitel beschäftigen sich mit der Entwicklung Palästinas seit der Okkupation durch die Engländer. Hatte schon die Darstellung der unmittelbaren Vorgeschichte der Balfour-Deklaration gezeigt, daß England in seiner Zionistenpolitik in keiner Weise bereit war, sich festzulegen, so wurde dies durch die Entwicklung nach 1919 auf das Vollkommendste bestätigt. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß die „national home Politik" der Engländer niemals die Errichtung eines Judenstaats beabsichtigte, daß auch Balfour von vornherein die Zweiseitigkeit des Mandats erkannte. Erwarten durfte man 1919 allerdings die aktive Unterstützung Englands bei dem Aufbau der nationalen Heimstätte. Daß diese aktive Unterstützung ausblieb, hätte vielleicht noch deutlicher erklärt werden können. Das hängt doch wohl unmittelbar mit der allgemeinen Passivität der englischen Verwaltung Palästinas zusammen, die tiefer, begründet ist. Josef Cohn weist des öfteren darauf hin, daß Palästina für England vor allem eine politisch-strategische Bedeutung hat. Auch das ist nicht zufällig. Es ist der typische Ausdruck für die Position des englischen Empire in der Epoche des „gesättigten Imperialismus", in dem es keine neue kolonisatorische Aufgabe mehr übernehmen kann, sondern wo alle neuen Gebietserweiterungen nur der Erhaltung und Kräftigung des Bestehenden dienen. England setzt sich daher auch nicht für eine möglichst intensive Entwicklung der ökonomischen Kapazität des Landes ein, sondern es bewahrt eine abwartende und vorsichtige Haltung. Die mangelnde Aktivität in der Unterstützung des Aufbaus der nationalen Heimstätte ergibt sich daher nicht nur aus der politischen Kompliziertheit des palästinensischen Problems, wie es durch die doppelte Verpflichtung des Mandats gegeben ist, sondern es hängt mit der Politik der allgemeinen Passivität Englands in' Palästina zusammen'. An dieser Tatsache scheint mir von Josef Cohn nicht genügend Kritik geübt worden zu sein, wie überhaupt die englische Palästinapolitik, speziell die Politik Herbert Samuels m. E. viel zu günstig beurteilt wird. Hätte es nicht noch einen anderen Weg der Pazifierung gegeben als dieses „laisser faire" der englischen Administration? Auch scheint mir das Maß der erreichten Beruhigung in den Beziehungen zwischen Arabern und Juden in den Jahren 1922 bis 1928 überschätzt zu sein. (Merkwürdigerweise sind die Unruhen von 1921 gar nicht erwähnt!!) / Der zionistischen Politik selbst ist das letzte Kapitel des Buches gewidmet. Im Rahmen dieser Besprechung ist eine eingehende Diskussion dieses Kapitels nicht möglich, da es sich um die Erörterung der Grundfragen des 111

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