Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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greift wohl auch nicht immer auf die Quellen zurück. Immerhin werden in übersichtlicher Weise die Zusammenhänge zwischen puritanischer und alt* tfestamentiicher Ethik, die Bedeutung des Puritanismus für die geistige und politische Entwicklung des Angelsachsentums, dargestellt. Es ist bekannt, daß es ssat dem 17. Jahrhundert in England eine von religiösen Motiven getragene 2oonsbewegung gibt, deren Ziel die „Restoration oi the Jews** ist. Realpolitische Bedeutung erhält diese Bewegung erst, als sie im 19. Jahrhundert mit dfen Tendenzen der englischen Empirepolitik zusammentrifft. Wenn man sich ÜB er die Bedeutung des irrationalen Faktors in der englischen Palästinapolitik Efechenschaft geben will, ist hier der Punkt, an dem man über die Priorität des irrationalen oder des politisch-interessenmäßig bedingten Faktors urteilen ftann. Es ist durchaus richtig, daß die englische Politik eine Synthese idealistischer und realistischer Motive ist. Es ist durchaus richtig, die gerade in <fer deutschen wissenschaftlichen Literatur so häufig verwendete Bedeutung des Wortes „cant" als bewußte Lüge abzulehnen; die historisch und politisch wichtige Frage ist nur die, zu untersuchen, ob man das entscheidende Ueberwisgen des einen oder des anderen Faktors konstatieren kann. Und. hier smeint die Entscheidung ziemlich eindeutig zu sein. Die entscheidende Vorsissetzung für die Verwirklichung idealistischer Motive ist das Zusammentfaeffen mit einem realen politischen Interesse. Für die Beurteilung des Geistes dfer englischen Politik ist nicht so wichtig die religiös-idealistische Gesinnung dfes Earl of Shaftesbury als jene Eintragung in seinem Tagebuch, in der er wsn seinen Bemühungen spricht, Palmerston für seine Pläne zu gewinnen, itnd in der es heißt: „Ich muß politisch, finanziell, commerziell argumentieren. Hur solche Erwägungen können ihn bestimmen, er weint nicht wie sein Meissner über die Stadt Jerusalem, noch betet er, daß sie sich jetzt schmücken möge". In dem folgenden zweiten Kapitel wendet sich Josef Cohn auch fm7 der Schilderung des rein realpolitisch-interessenmäßig Bedingten zu. Es wird eine sehr gute Darstellung der Tendenzen der englischen Orientpolitik im £E und 20. Jahrhundert gegeben, wobei die besondere Bedeutung der Wendung <fer englischen Türkenpolitik um die Jahrhundertwende gezeigt wird. Jedenfalls ist es klar, daß das Schicksal Palästinas durch die Aufgabe der alten Ihtegritätspolitik bedingt und Palästina ebenso wie die ganze Länderbrücke dhs Vorderen Orients nunmehr ein Zielpunkt des englischen Imperialismus geworden war. Es wurde daher auch zu einem der wichtigsten Gegenstände der amglischen Kriegspolitik. Alle angelsächsiche Kriegsideologie kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß gerade die englische Kriegspolitik im Vorderen (Ürient alles "andere tat, als das so oft proklamierte Prinzip des Rechtes gegenüber dem Prinzip der Macht zu verwirklichen. Die geheimen Verträge über üe Aufteilung der kiemasiatischen Türkei sind typische Produkte der alten Workriegsdiplomatie. Josef Cohn erkennt das sehr wohl, aber mir scheint &ch, daß er gegenüber dieser Tatsache zu nachsichtig ist. Die englische EEriegspolitik, das Verhalten Englands auf der Friedenskonferenz ist in der Sache nicht weniger brutal als das der anderen europäischen Großmächte. Sehr gut ist, wie bei der Schilderung der Kriegspolitik die besondere „Axiomatik" der englischen Politik herausgestellt wird, das vorsichtige Prinzip der „no commitments*\ das sich auch besonders deutlich bei der englischen Hblitik gegenüber den Zionisten zeigt. tao