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Der jüdische Student · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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PALÄSTINA „England und Palästina!44 Von Hans Gärtner (V.J. St. Kadimah, Hamburg) Im Laufe der vergangenen Jahre ist eine reichhaltige Literatur über das Palästina-Problem erschienen. Die Mehrzahl dieser Arbeiten (Spiegel, Marcus, Schwarzenberger, Stoyanovsky) beschäftigt sich mit den völkerrechtlichen Problemen des Mandats im allgemeinen und des Palästinamandats im "besonderen. Dagegen fehlte bisher eine zusammenfassende Darstellung des ganzen Problems unter wesentlich historisch-politischen Gesichtspunkten. Das ist nicht bloßer Zufall. Die Betrachtung juristischer Probleme ist wesentlich statischer Art, Es handelt sich um die Analyse von Institutionen, die zwar historisch geworden sind, aber heute bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen vor uns stehen. Dagegen ist eine historisch-politische Darstellung ein wesentlich dynamischer Vorgang, Sie hat es mit einem bloßen Werden zu tun; ihre Aufgabe ist nicht, abgeschlossene und festgelegte Institutionen zu analysieren, sondern den Strom einer bis in die Gegenwart laufenden Entwicklung zu erkennen und zu beurteilen. Hier liegt der Reiz und gleichzeitig die Problematik einer solchen Aufgabe, die um so großer ist, wenn es sich — wie bei der Palästina-Frage — um einen Gegenstand handelt, der auch im gegenwärtigen Augenblick in vollster Aktualität vor uns steht. Rein äußerlich zeigt sich diese Schwierigkeit auch bei dem Buche von Josef Cohn („England und Palästina", Berlin 1931). Das eigentliche Manuskript wurde vor dem Oktober 1930 abgeschlossen, so daß die nach diesem Zeitpunkt eingetretenen Ereignisse nachträglich hinzugefügt werden mußten. Kurz nach dem Erscheinen des Buches geschahen weitere, für die englische Palästina-Politik wichtige Ereignisse, die natürlich nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Gegenüber diesem fortlaufenden Strom der Entwicklung wäre es um so sinnloser gewesen, die Darstellung auf rein empirischer Grundlage -aufzubauen. Es kam vielmehr darauf an, die Tendenzen der inneren Entwicklung aufzuzeigen, die übergeordneten Prinzipien darzustellen, durch die die Ereignisse geleitet werden. Dies ist dem Verfasser im weitesten Maße gelungen, so daß auch gerade die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit nicht isoliert und unfaßbar erscheinen, sondern offensichtlich im Zusammenhang eines kontinuierlichen Geschehens stehen. So heißt es in dem Vorwort, daß die wesentliche Aufgabe des Buches nicht in der Darstellung der quantitativen Elemente (d. h. der rein politischen Grundlagen) besteht, sondern in der Herausarbeitung des qualitativ-irrationalen Elementes, das dem Verfasser als das entscheidende Moment für die Beurteilung englischer Politik erscheint. So wird in dem Kulminationspunkt der englischen Palästinapolitik, der Balfour^Deklaration, nicht nur ein politischer Vorgang, sondern die typische Verkörperung einer „von ganz bestimmten seelischen und geistigen Kräften gestalteten englischen Kulturphysiognomie" gesehen, (Die soziologische Terminologie des Buches schließt sich auf das engste an die Heidelberger Soziologenschule an.) Unter diesem Gesichtspunkt ist das vielleicht interessanteste Kapitel des ganzen Buches das erste Kapitel, das die geistig-religiösen Beziehungen der Engländer zu den Juden schildert. Da das Kapital im Rahmen des Buches nur eine einleitende Stellung hat, ist es in vielen Punkten nur zusammenfassend und 109

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