Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2*1 dazu bereit finden, in einem hohen Maße Erfolge erzielt werden können. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß unsere Bundesbrüder einmal den Willen gespürt und in einer solchen Atmosphäre gelebt haben. Nun sagt man aber, beweisen nicht unsere Alten Herren das Versagen unseres Systems? Ich glaube, daß die absolut negative Bewertung unserer Alten Herren eine unzulässige Verallgemeinerung ist. Ich spreche gar nicht von den „Prominenten**. Aber lest einmal die Berichte der kleinen und mittleren Ortsgruppen der Provinz, seht die Liste derjenigen durch, die die zionistische Tagesarbeit in Deutschland leisten: Ihr werdet finden, daß es in einer übergroßen Anzahl der Fälle Alte Herren des K.J.V. sind. Es bleibt freilich eine große Masse, die kaum für den Keren Hajessod zu gewinnen sind. Aber auch hier bedarf es häufig nur einer ernsten Anstrengung unsererseits, um eine Reaktivierung wenigstens für einige Zeit zu erzielen. Ein Erziehungssystem, das mit hundert Prozent Nutzeffekt arbeitet, gibt es nicht. Aber eins ist klar: wir können ihn bei uns noch steigern und die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Um es zusammenzufassen: Um unser Ziel zu erreichen, bedarf es keiner grundsätzlich neuen Parolen. Es kommt nur darauf an, daß wir mit allem Ernste die uns gegebenen Möglichkeiten ausnützen. In diesem Zusamenhange sehe und bewerte ich auch die auf dem Kartelltag gemachten Vorschläge von Schülerbünden, Mädchenarbeit, Palästinaprojekt. .Verzichten wir nicht auf die Grundlage unserer Arbeit, das ist die Erziehung unserer Bundesbrüder, dann ergeben sich für diese Pläne natürliche Grenzen. Man soll diese Dinge natürlich tun; das Entscheidende daran ist aber, mit welchen Voraussetzungen und Erwartungen man an diese Arbeit herangeht. Aus jeder guten Verbindung werden Kräfte frei für die zionistische Tagesarbeit. Diese muß auch weiterhin gemacht werden. Aber alles, was darüber hinaus geschieht, darf erst getan werden, wenn das bisher als notwendig Erkannte auch weiterhin sichergestellt ist. Wir haben erfahren müssen, wie schwierig es häufig ist, den Bestand der Verbindung nur aufrechtzuerhalten. Ich sehe nicht die Möglichkeit, im größeren Maße durch uns Schülerbünde zu organisieren, denn auch hierfür müßten die betreffenden Bundesbrüder ebenso vollständig sich einsetzen, wie wir es für das K.J.V. gefordert haben. Nach meiner Meinung genügte eine systematische Keilarbeit etwa von der Obersekunda an, und der Versuch, die für Berufsumschichtung in Frage Kommenden in die Jugendbünde zu überführen. — Aehnlich ist meine Stellung zu der Mädchenarbeit. Niemand wird mir eine passive Haltung vorwerfen können, denn seit ich aktiv bin und in allen Verbindungen, in denen ich Gelegenheit hatte, den Kurs der Arbeit zu beeinflussen, wurden praktische Versuche gemacht, und ich habe bei jeder Gelegenheit auf die Notwendigkeit der Erfassung jüdischer Studentinnen für den Zionismus hingewiesen. Aber ich wehre mich ganz entschieden gegen die Vorstellung, als könne von dieser Seite her eine grundsätzliche Besserung der Resultate unserer Erziehung erzielt werden. Eine grundsätzliche Auseinandersetzung, ob das Ziel die „Koedukation" ist, erscheint mir erfreulicherweise nicht aktuell. Die Mädchengruppen müssen von uns in jeder Weise gefördert und unterstützt werden; eine Zusammenarbeit kann auf manchen Gebieten gut sein und uns auch weiter helfen, aber nur, wenn die Integrität der beiden Organisationen gewahrt bleibt.