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Der jüdische Student · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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IL Hat man diesen Blick, wenn auch etwas oberflächlich (es wäre eine dankbare Aufgabe, die Geschichte der jüdischen Intelligenz in Osteuropa zu schreiben) auf die Vorgeschichte und die Quellen unserer Zeit geworfen, so beginnt man auch klarer zu sehen, woher die Nachkriegsbewegung kommt. Dieser war es doch im erheblichen Maße gelungen, größere Kreise der jugendlichen Intellektuellen und der Studentenschaft des heute außerrussischen Osteuropas zu erfassen. Meiner Meinung nach waren es zwei Tatsachen, die eine radikale geistige Umstellung der jüdischen Akademikerschaft hervorgerufen haben und die, bei einer objektiven Analyse, die entscheidenden Züge der gegenwärtigen Entwicklung erklären: 1. Der Zionismus ist in der Nachkriegszeit eine politische Bewegung geworden, d. h. eine Bewegung mit politisch greifbaren Zielen, mit parlamentarischen Methoden (durch die Schaffung der zahlreichen Republiken in Osteuropa), mit politischen Gegensätzen. Man konnte durch persönliche Teilnahme, durch Einsetzen seiner Persönlichkeit, durch persönliches Beispiel, politische Dinge, ja sogar international-politische Dinge erreichen. Der Zionismus war nicht nur eine Bewegung, die sich um den Kongieß kristallisierte, sondern er war eine Weltbewegung geworden mit öffentlicher Meinung und mit politischen Beziehungen nach Genf und London. Aber auch im einzelnen Lande selbst wurden konkrete politische Aufgaben gestellt, so der Kampf um die hebräische Schule, um die politische Emanzipation, um die wirtschaftliche Gleichstellung. Hier waren greifbare Dinge, die durch politische Methoden (der Osteuropäer ist ein politischer Mensch par excellence) abgeändert und beeinflußt werden konnten. 2. Der europäische Nationalismus und das Prinzip der nationalen Selbstbestimmung war die zweite gewaltige Quelle, die die ganze ostjüdische intellektuelle Schicht aufgerüttelt hat. Ich glaube, wie sehr man auch versucht, uns einen Chauvinismus anzudichten, daß dieser Nationalismus nicht sehr viel mit chauvinistischem Nationalismus zu tun hat. Aber durch die Einfügung in die demokratische Welt, durch das freie Atmen, durch das Beispiel nationaler Renaissance zahlreicher osteuropäischer Völker entstand ein ungeheurer Aufschwung des nationalen Gedankens, primitiv, ohne Ueberlegung und ohne theoretische Fundierung, die, wie man zum Teil in Westeuropa feststellen kann, auch ein Unglück für den Zionismus werden kann. Dieser primitive Nationalismus erfaßte die ganze Jugend oder zumindest die große Mehrheit. Er packte sie an dem politischen Instinkt und an dem primitiven Wunsch, sich selbst einzusetzen, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Die politische Freiheit war Ende 1918 mit einem Schlage in allen osteuropäischen Ländern, mit Ausnahme von Sowjet-Rußland, gegeben; gewiß unzulänglich in den ersten Jahren des Ueberganges, aber später, insbesondere in Lettland und Estland, im Vergleich mit den anderen Ländern fast in vorbildlicher Weise geregelt. 1922, d. h. zur Zeit der langsamen Konsolidierung, bestand überall ein starker und nachhaltiger Wunsch nach einer konkreten zionistischen Erziehung, nach einer politischen Beeinflussung der jungen Generation, nach 36

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