Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Ohne England und g e ig e n 'England können wir -keine arabische Politik treiben, können aber auch nicht auf die Dauer kolonisieren. Auf dieser Erkenntnis baute sich das System der revisionistischen .Forderungen auf. E» steht daher nicht im Widerspruch zu der Erkenntnis) von Englands* mangelnder Bereitschaft, isondern es .'formuliert einfach die Aufgabe unserer Politik. Nun müßte Auerbach doch wenigstens versuchen, unsere These zu widerlegen, wonach .die 'falsche Politik der Leitung jene von uns und ihm konstatierten Schwierigkeiten bagatellisiert und vertuscht — und eben dadurch mindestems dazu beigetragen hat, jene Situation zu schaffen, die die Pogrome in Palästina, den .Shawbericht und das letzte Weißbuch möglich machte. Aber da® kann Auerbach nicht widerlegen, ja er kann es nicht einmal ernsthaft diskutieren, weil1 er selbst in dem apolitischen Irr glauben belangen ist, das prozionistische jjKolioniisataionsregime" sei nicht zu erlangen, sei überflüssig, und die „Non Cooperation" der Engländer mit dem Mandat sei gewissermaßen der von uns zu wünschende Normalzustand. Wir dagegen sagten: -Die (Kolonisation ist eine Staatsauifgabe. Sie kann eich auf die Dauer nicht bei völliger Passivität der Regierung vollziehen. Die politische Aufgabe, der wir nicht ausweichien können, besteht eben darin, die Passivität in Aktivität umzugestalten — in eine freundliche, umsv fördernde Aktivität natürlich. Geschieht dies nicht, so muß die Passivität der Regierung zwangsläufig in Gegnerschaft umschlagen — weil eine Regierung nicht ewig die Augen schließen und ali'es laufen lasisen kann, wie es •gerade läuft, weil gegnerische -Kräfte am Werke sind, weil' dl e r Zionismus der Regierung entweder als eine gute, nützliche, zu fördernde, oder als eine unangenehme, störende, zu beseitigende Sache erscheinen) muß. Diese Predigt enthielt unsere politische Voraussage und unser Programm, nicht seit heute und gestern, sondern seit sieben1 Jahren. Die Politik der Leitung aber ging an dieser Erkenntnis vorbei, sie behauptete, die politische Basis für die Arbeit sei gegeben, und darum ist ihre Politik gescheitert. Wir werden jetzt, weil! der Zwarag der Entwicklung dahin führte, trotz Auerbach ein ,,/KoljonisationsTegimeM bekiommern — und damjit ist das „System Weizmann" widerlegt und die Theorie Auerbachis. Dies-er müßte ja eigentlich gegen die Londoner Verhandlungen auftreten, weil sie jetzt umaulfhaltsam zu dem einen oder anderen „Kolonisationsiregime" führen müssen. Die Regierung war schon auf dem Wege, das a n t i z i o n i s t i s c h e Koionisationsregime zu etablieren. Der jüdische Protest hat sie aufgehalten, sie zaudert jetzt, überlegt, lenkt ein .... Vielleicht wird das prozionistische Regime aus dieser großen Krise entstehen — vielleicht, nämlich wenn wir uns nicht wieder mit einem Scheinerfolg sogleich beruhigen, oder einen Anfangserfolg ungebührlich aufbauschen, sondern wenn auf den ersten Schritt der zweite, dritte und zehnte folgt. Stetige, zähe, entschlossene politische Arbeit — an der es zehn Jahre lang gefehlt hat — kann einen Teil des schon fast Verlorenen retten, und 32