Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Was ist zionistische Politik? Eine Replik auf Elias Auerback Von iRicihard Liciithei m- In der letzten Nummer des „Jüdischen Student" versucht Elias- Atterbach, gegen den Revisioiiisjiiju® seine Formel' der zionistischen Politik aufzustellen. Zweierlei muß ich ihm entgegenhalten: Er versteht den Revisionismus nicht, und er geht am Sinn der PoÜtük vorüber. Sein .Mißverstehen der revisionistischen Bewegung sseigt sich' schon darin, daß er unsere Opposition als eine Folge der letaten politischen Niederlagen des Zionismus darstellt. Er schreibt: „Die schweren Fehler der Weizmannschen Aera sind nicht zu leugnen, wenn sie auch nicht da liegen, wo sie Jetzt in bequemer Benutzung der politischen iK a t astnophe von seiiinen Gegnern b e hauip t eit werde n." Das ist wahrlich, ein Anwurf, der den Revisionismus nicht trifft. Wer die Bewegung in den letzten zehn Jahren verfolgt 'bat, kann ein soungerechtes Urteill! nicht fällen« Das eigentliche [Mißverständnis Elias Aueribachs liegt aber in der Behauptung, die revisionistische Forderung nach dem prozionistisichen Kolond- -sationsregrme sei durch das antizaonisiische Verhalten Englands „ad absurdum" geführt. Auf diesen Widerspruch zwischen unserer Forderung und Englands Tun weist er mit Nachdruck hin. In Wahrheit liegt es so: Wir sind keine engllandgläuibigen Schwärmer, sondern wir ihaiben die objektiven Schwierigkeiten, die sich der zionistischen Politik in England, vor allem in Englands Beamtenschaft, entgegenstellten, von jeher gesehen und haben sie, im Gegensatz zu Weizmann, stark betont. Eben wegen dieser Schwierigkeiten haben wir die Notwendigkeit einer aktiven Politik gezeigt. Elias Auerbach weiß diese Schwierigkeiten nur zu analysieren, um sich mit ihnen als gottgewollten Notwendigkeiten abzufinden. „Gott bewahre uns vor einem »Schutz- und tKolonisationsregime4 dieses Englands4' — so ruft er beschwörend aus. Gewiß — dieses Englands, vor dessen Politik wir warnten, weil sie zu iKatastrop'ben führen müsse, während die Leitung diese Politik deckte! Aber ist denn keine andere (Haltung Englands denkbar aäls Passivität, Zweideutigkeit oder, wie Auerbach) meint, „Aktivität zugunsten der Araber"? Ist die Balifoiurdeklaration endgültig als Schwindel und das Mandat als Betrug entlarvt? Wir glauben es nicht und sind überzeugt, daß wir bei guter Politik mit England etwas erreichen können. Die arabische Frage sehen wir ganz älhnlich wie Aueribach, der auch, erkannt hat, daß eine Wechselwirkung izwisohen arabischem Widerstand und englischer Feindseligkeit besteht. Eben darum liegt nach unserer Meinung der Schlüssel zur arabischen Frage bei England. Sie ist in unserem Sinne friedlich und ohne Gewaltanwendung lösbar, wenn England prozionistisch, sie ist unlösbar, wenn England antizionistisch auftritt. 31