Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Von unseren Alten Herren werden wir mit einer gewissen Wehmut an die Zeiten erinnert, wo auf den Konventen der K.J.V.-Verbdndungen die wichtigsten Entscheidungen für die Entwicklung der zionistischen Organisation getroffen worden sind, wo das K.J.V. überhaupt den Zionismus führte. Wir wollen uns darüber nichts vormachen, diese Zeiten, wo man den Zionismus vom grünen Tisch in Berlin aus leiten konnte, sind vorbei. Die Realität Palästinas fordert heute eine Beurteilung der Dinge von einem anderen Gesichtswinkel aus, als sie vom Standpunkt einer noch so gründlich durchdachten zionistischen Ideologie erfolgen kann. Palästina ist das A und O jeder zionistischen Arbeit überhaupt, an ihm muß sich alles orientieren, was geschieht, und gerade der Umstand, daß wir für einen Zionismus der Praxis, der täglich wachsenden Verwirklichung zu arbeiten haben, ist ja das häufig genug betonte Unterscheidungsmerkmal gegenüber früheren Generationen, deren Hauptaufgabe die Schaffung und Fundierung einer zionistischen Ideologie gewesen ist. Unter dieser Devise: „Eroberung für das lebendige Erez Israel", müssen wir an das Aufgabengebiet herangehen, das uns geblieben ist, genau wie es die Arbeit der Besten unserer Altherr enschaift gewesen ist: „Die Erfassung des deutschen Judentums für den Zionismus/' So ist unser Ziel die Organisierung des deutschen Judentums für den Aufbau Palästinas, seine Stärkung gegen die fortschreitende Assimilation und gegen seinen ökonomischen Ruin und die unmittel'bare Teilnahme am Aufbau Erez-Lsraelts. Der Bund: das Kartei'l jüdischer Verbindungen, hat die Aufgabe, der Führer des deutschen Judentums in allen zionistischen Fragen zu sein. Was uns nun bleibt, ist, über das Deklaratorische hinaus den praktischen Weg zur Verwirklichung dieses Programms! zu zeigen. Da wird es Aufgaben geben, die Arbeitsgebiete für die Altherrenschaft sind, andere, die allein der Aktivitas zufallen und solche, die nur im Zusammenwirken beider Fakitoren gelöst werden können. Die Erziehung der Aktivitas geschieht in Kursen, die zionistisches Wissen zu vermitteln halben und deren Art von den angewandten Methoden wohl wenig abweichen wird. M'an kann sie verbessern und vertiefen, lebendiger gestalten und vereinheitlichen. Wichtig ist vor allem, daß jede Veranstaltung zur Bildung einer öffentlichen Meinung beiträgt, die getragen wird von engem Gemeinschaiftsigetfühl der einzelnen zueinander und von Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Gesamtheit und ihren Aufgaben. Als Mittel hierzu mögen Debating Club und Veranstaltungen wie der hebräische Mittwochabend des gesamten Berliner Kartells dienen, die dem Kreis unserer jungen Menschen die Möglichkeit 'geben, aus* sich heraus ihr Leiben autonom zu formen. Die erste praktisch wichtige Aufgabe ist die Erlernung der hebräischen Sprache mit dem Mar ausgesprochenen Ziel der Hebrai sierung des KartelÜJSv Ueber die Bedeutung und. den Sinn der hebräischen' Arbeit brauicM nichts mehr gesagt zu werden. Sie ist das selbstverständliche B'and, das uns» mit der Tradition und mit Palästina verbindet, und sie trägt, wie bereits ihre 23