Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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von vornherein unmöglich, die Umwelt in ihrer heutigen Erscheinungsform als selbstverständlich eindeutig zu bejahen. So wächst notwendigerweise aus dieser Situation Unzufriedenheit mit dem traditionellen Lebensstil, Für uns Zionisten in der Golah wird diese Unzufriedenheit noch gesteigert durch den Gegensatz zwischen der autonomen Lebensgestaltung in Palästina und den durch die Assimilation übermittelten heteronomen Bedingungen der Gallith. Die Empfindung dieses Gegensatzes ist die eine gewollte Folge zionistischer Erziehung, eine andere ist das Bestreben, mit dem neuen Leben Palästinas Kontakt zu gewinnen, das ebenfalls aus den gegebenen tradi-? tionellen Formen unseres hiesigen Lebens herausführt. Alte Herren versichern uns noch heute, daß der Prozentsatz einzelner, von Kartell erzogener Menschen, die sich im zionistischen Leben bewähren, seinen Wert bestimmen. Die Bedeutung des Kartells sieht dagegen die junge Generation in der Leistung der Einheit des Bundes für den Aufbau von Erez Israel. Dieser Gegensatz wird Mar, wenn man sicih die Erziehung der Vergangenheit vergegenwärtigt, die darin bestand, den einzelnen K.J.V.er in der Schule des Kartells zionistisch und charakterlich auszubilden und ihn dann, nach dem A.H.-Examen aus dem Kartell in die all» gemeine Bewegung zu entlassen. Nach zionistischer Leidenschaft, Tem? perament und Begabung sollte sich dann jeder einzelne zur Verfügung stellen. Eine Anzahl Bundesbrüder bewährte sich in dieser Arbeit, die meisten versagten. Für den Durchschnitt war die Bewäfhrung sehr schwer, denn Beruf und Umgebung wirkten der zionistischen Betätigung entgegen, und das Kartell hatte seinem Aufbau nach nicht die Möglichkeit, ja nicht einmal die Aufgabe, dem einzelnen konkrete zionistische Arbeit zuzuweisen, die ihm entsprach. Denjenigen, die sich bewährten, ging durch die Inan-1 spruchnahme in der täglichen Arbeit der Zusammenhang mit dem K.J.V. verloren. Sie verschwendeten einen großen Teil ihrer Kraft damit, die ungeformte Masse der A.H. A.H. durch Appell zur Arbeit heranzuziehen, ohne daß an der Grundlage der Organisation und Haltung der Altherrenr schalt etwas geändert wurde. So wird verständlich die geringe Wirkung des quantitativ großen Kreises der mit einem ungeheuren Kraftaufwand Existenz einzelner Freudschaftskreise, aus deren Mitte zionistische Arbeit Kartell und der jüngeren Generation verloren hatten, Nichts sagt die Existens einzelner Freundsdhaftskreise, aus deren Mitte zionistische Arbeit noch so intensiv geleistet worden ist, gegen diese Darstellung der Struktur des alten Gesamt-Kartells. Im Gegensatz dazu wollen wir die Erfüllung zionistischer Aufgaben durch einen geschlossenen Bund. Die Gesamtheit stellt sich Aufgaben und übernimmt Verpflichtungen, sie ist für ihre Durchführung geschlossen ver~ antwortlich und bestimmt für ihre Gruppen und den Einzelnen den Platz, an dem sie sich einzuordnen haben. Wir brauchen ein K.J.V., das imstande ist, sich als Ganzes für die als wichtig anerkannten Aufgaben einzusetzen, und das sie dadurch bewältigt, daß es an allen Orten, mit allen seinen Menschen gleichzeitig, mit der gleichen Energie und naejb dem gleichen klar durch dachten Plan in Aktion tritt. 22