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Der jüdische Student · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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hebräische Examen als Vorbedingung der A.H.-ierung eingeführt» Dieses Gesetz ist in gleicher Weise unbeachtet geblieben wie der Appell an den guten Willen in der Vorkriegszeit. Wie früher für die Beschäftigung mit dem Hebräischen überhaupt, so ist jetzt die Ablegung des Examens lediglich der gute Wille einzelner maßgebend geblieben. Der einzige Unterschied gegen früher besteht darin, daß jetzt alte Leute, längst im Berufe stehend und zum Teil verheiratet, als Inaktive herumlaufen und sich auf diesen Zustand als Dauerzustand einrichten. Ob die Mißachtung des neuen Gesetzes seitens einiger Verbindungen, wie behauptet wird, hier und da so weit gegangen ist, daß sie weiter ohne das Examen A.H.-ierten, weiß ich nicht, doch scheint diese von Bundesbrüdern, die an der Nichtablegung des Examens interessiert waren, verbreitete Behauptung nicht zuzutreffen. Daß aber Bundesbrüder, die den Anspruch erheben, im Kartell etwas zu gelten, und längst das hebräische Examen abgelegt haben müßten, sich auch in auswärtigen Verbindungen ironisch über die geltende Bestimmung äußern und erklären, daß sie nicht daran dächten, die Prüfung abzulegen und ruhig ihr Leben lang Inaktive bleiben würden, davon habe ich mich überzeugt. Was also durch das Gesetz von 1922 verhindert werden sollte, und was so peinlich beschämend für uns ist, daß Alte Herren als Exponenten unserer Gemeinschaft herumsitzen, die die Sprache ihres Volkes nicht kennen, besteht unverändert fort. Daß 1925 und etwas später noch einmal das Präsidium scharfe Mahnung im ,,J.St." erließ und mit Ausschluß drohen mußte, übrigens wiederum ohne jeden Erfolg, zeigt das Klägliche der Situation. Die Ursache für dieses doch eigentlich unglaubliche Versagen in einer selbstverständlichen Sache will ich versuchen auf eine Formel zu bringen; wegen des geringen mir zur Verfügung gestellten Raumes kann diese Feststellung nicht erschöpfend sein, sie gründet sich aber auf zahlreiche schmerzliche Erfahrungen während nunmehr zwanzig Jahren. Es ist der in unserem Kreise ganz merkwürdige Gegensatz zwischen der starken Neigung und oft auch Fähigkeit, Dinge geistig und politisch zu klären, neue Wege zu suchen, allerdings auch neue Schlagworte zu propagieren aus der — manchmal geradezu geisteshochmütig zur Schau getragenen — Abneigung, eine auch nur etwas unbequeme Durchführung einer Sache zu übernehmen, sich um die Erfüllung von oft sogar selbstgestellten Forderungen auch nur zu kümmern. Hier liegt die Schuld; es ist die der verschiedenen Präsidien der Verbindungen und natürlich auch derjenigen Bundesbrüder, die ihre Führerschaft in diesen für eine Angelegenheit wie die vorliegende verantwortlich machte. Die verschiedenen Ausreden: andere lernten ja auch nicht, man könne auch so ein guter Zionist sein, hebräisch sei so schwer zu lernen (??) oder gar die bekannte Ausrede, überall da zu hören, wo Nichtstuer ihre Trägheit noch obendrein mit einem anmaßenden Mäntelchen zu drapieren belieben: man müsse ganz andere, die höchsten Anforderungen, stellen, und da diese doch nicht erreichbar seien, sei es besser, gar nichts zu tun; sie alle erwähne ich nur; wer will, mag sie glauben. Daß die jetzige klägliche Situation aber nicht nötig gewesen wäre, daß selbst der scheinbar ver- 15

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