Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Arbeit und Rentabilität , . oder Ideal und Wirklichkeit, Ideal — der Aufbau des jüdischen Palästinas erfordert, von welcher Seite man ilhn auch anpacken mag, die Verwendung jüdischer Arbeitskräfte. Die rauhe Wirklichkeit aber stellt den Arbeitgeber vor die einfache Frage: Warum «soll ich das teure Geld für jüdische Arbeit (bezahlen, wenn ich dieselbe Arbeit heim Araber sorviel billiger bekommen kann? Dazu kommt, daß der jüdische Arbeiter selbstbewußt, sitollz und kritisch ist und stich (mit Recht) nicht als Arbeiter schlechthin fühlt, sondern seine Arbeiterperiode nur 'als Durchgangsstation zur Ansiedlung betrachtet; endlich, daß er organisiert ist und so eine iMiadht darstellt, mit der man rechnen muß. Dagegen ist der primitive Araber ein Arbeitssklave, der neben seiner tatsächlichen Billigkeit auch den Vorzoig völliger geistiger Anspruchslosigkeit 'aufweist; man 'benutzt ihn, legt ilhn ab, wie einen Gegenstand. Und endlich (gibt es (Betriebe, die nicht rentabel sind, wie 'Körnerlbau, Oliven-, Mandel- und ähnliche Betriebe, oder die (gerade noch zur (Not bei arabischer Arbeit die Bearbeitung ermöglichen. Diese Tatsachen existieren, und wir als K.J.V.er müssen sie kennen und von unserem spezifisch akadiemisch-deutschzionistisich-ideaHstisichen Standpunkt dazu Stellung nehmen. Wir müssen wissen, was wir wollen. Welcher politischen Ueberzeugung wir auch sein mögen, olb wir den Judenstaat oder „nur" das Nationallheim aufbauen wollen, wir sind selbstverständlich daran interessiert, möglichst schnell, möglichst viel und möglichst seßhafte Juden in unser Land zu bringen. Die Zahl spricht ja hier eine ungeheure 'Rolle; der unproduktivste Jesebiwah-Bachur hat hier als Jude, der den Jischuw (vergrößert, seine wichtige, nationale Bedeutung. Abgesehen davon aber existiert für uns als K.J.V.er der Auffbau unseres Landes insbesondere als kulturelles Problem; wir wollen ja gleichzeitig unsere Kultur erneuern und ein repräsentatives, hebräisches Werk errichten. Wir müssen also nicht nur daran interessiert sein, Arbeit und Existenz für recht viel jüdische (Menschen zu schaffen, sondern vielmehr noch daran, daß die (Existenzbedingungen die 'Möglichkeit kulturellen Schalffens und Lebens gelben. Ist das möglich? Diese Frage kann mit einem1 vollen Ja beantwortet werden. Als ganz besonders rentabel erwies sich nach den Erfahrungen der letzten 10 Jahre die Citruskultur. Und es gibt eine große Reihe — dabei leider noch viel zu Meine! — Privatunternehmen, die ständig nur mit Juden arbeiten und allerorts betonen, wie zufrieden sie mit ihren Leistungen sind, und daß die Rentabilität ihre® Pardeß in keiner Weise gelitten hat, trotzdem sie immer höhere Arbeitslöhne zahlten, als es die Arbeitsvermittlungsstellen der Arbeiterorganisation selbst verlangten. Sie sind der lebendige Beweis dafür, daß rein jüdische Arbeit in entsprechenden Betrieben nicht nur möglich, sondern sehr gut möglich ist und obendrein menschlich und national 12